Historische Mörtel

Zu den historischen Gebäuden zählen Bauten, die bis etwa Anfang der 50er Jahre gebaut worden sind. Viele dieser Gebäude stehen unter Denkmalschutz und müssen nach Auflagen des Denkmalschutzes saniert werden. Für Arbeiten eingetragener denkmalgeschützter Gebäude benötigt man auch eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörden. Diese Behörde erteilt eine Genehmigung für die Restaurierung und verfügt Auflagen. Um die Restaurierungsarbeiten dann auszuführen, verwendet man oftmals historische Mörtel, die in ihrer Zusammensetzung den ursprünglich verwendeten Mörteln hinsichtlich ihrer Sieblinie sowie ihres Bindemittels und Bindemittelgehaltes angepasst, und mittels historische Handwerkstechniken hergestellt und appliziert sind.. Aber auch an Gebäude, die nicht unter Denkmalschutz stehen, werden Mörtel verwendet, die fast identisch mit den vorgefundenen Mörtel sind. Dieses geschieht vor allem deshalb, um die Verträglichkeit zwischen den originalen Mörteln und dem Ausbesserungsmörteln zu gewährleisten.

Historische Mörtel sind einerseits Putzmörtel mit denen die Fassade geputz, sowie Stuckmörtel, mit denen die Stuckgesimse, Ornamente und Relief gezogen, gegossen oder freihändig modelliert wurden. Zur Anwendung kamen in früheren Epochen (bis ca. 1850) zum größten Teil verschiedene Luftkalkmörtel, aber regional verbreitet auch Gipsmörtel. Ab Mitte des 19.Jh. kamen vermehrt hydraulische Kalkmörtel (Wasserkalkmörtel) und zementhaltige Putze zur Ausführung und verdrängten die Luftkalkmörtel, deren Verwendung fast in Vergessenheit geraten sind.
Zu den Luftkalkmörteln zählen trocken gelöschte Kalkmörtel und Sumpfkalkmörtel. Diese gehören der Mörtelgruppe PI (ehemals MG PIa Luftkalkmörtel) an.
Die Anwendung von Gipsmörtel im Außenbereich ist heute nach dem Regelwerk der DIN wegen der geringen Feuchtebeständigkeit von Gips nicht mehr empfehlenswert. Im Bereich der Denkmalpflege sollte man bei Ausbesserungsarbeiten das vorgefundenen Material zu verwenden. Es ist in der Regel nicht sinnvoll, erhaltenswerte Putz- und Stuckelemente abzuschlagen, um gipshaltige Baustoffe, die schon lange Zeit an der Fassade vorhanden sind, gegen hochhydraulische oder Kalkzementmörtel auszutauschen. Eigentümer von Stuckfassaden aus Gipsmörtel sind sicherlich nicht bereit, die gesamte Fassade abschlagen um sie mit genormten Materialien aus Kalkzementmörtel neu aufzustucken, so dass die Ausführung von Gipsmörteln bei Ausbesserungsarbeiten an Berliner Fassaden ortsüblich ist. Neuherstellung ohne Denkmalschutzauflagen müssen selbstverständlich aus Kalkzementmörtel hergestellt werden. Zum Schutz des Gipsmörtels müssen spezielle Farbsysteme mit geeigneter Grundierung zur Anwendung kommen.

Historische Mörtel sind Zeugnisse vergangener Bauepochen, die eigene spezifische Materialien, Produkte und Handwerkstechniken besaßen. Teilweise sind die Produkte, Materialien und Handwerkstechniken in Vergessenheit geraten und können nur noch von wenigen Handwerkern ausgeführt werden. Im Vordergrund von historischen Putzen stand immer die gestalterischen Gesichtspunkte sowie dem Schutz des Bauwerks nach dem damaligen gültigen Wissenstand. Viele der damals verwendeten Baustoffe sind heute nicht mehr zugelassen, doch die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Materialien auch nach mehr als hundert Jahren sehr gut erhalten sind, während es bei den heutigen Bauten oft nach wenigen Jahren zu Schäden kommt.
Wichtig bei der Verwendung von historischen Mörteln ist auch die sachgemäße Nachbehandlung nach der Verarbeitung, insbesondere die fachgerechte Grundierung mit dem passenden Farbabstrich.
Meistens wurden für die Herstellung der historischen Mörtel aufgrund der schlechten und teuren Transportwege Rohstoffe aus unmittelbarer Umgebung der Baustelle verwendet. Die Ausführung der Arbeiten war ausschließlich den heimischen, an dem Ort ansässigen Handwerkern vorbehalten. Als Bindemittel verwendete man Kalk, Gips, Zement, Lehm und Eiweiß. Zuschlagstoffe waren fast ausschließlich Gruben- und Flusssand, in unmittelbarer Umgebung von Meeren auch Meeressand und Muscheln. Zuschläge wie Pigmente, Holzkohle, Steine, Glassplitter oder Bewehrung mit Heu, Stroh, Holzspänen oder Haaren verliehen dem Putz Wirkung und Struktur. Ziegel- oder Trassmehl, Schlacke, Asche oder Tonbestandteile verbesserten Abbindeverhalten und Lebensdauer der Kalkmörtel. Organische Zusatzstoffe wie Casein, Blut, Käse, Wein, Zucker, Naturharze etc. beeinflussten den Mörtel hinsichtlich Porenbildung, Wetter- und Frostbeständigkeit. Heute ist es nur schwer möglich, diese Zusatzstoffe auch nachzuweisen. Viele der damaligen Mörtel entstanden aus Erfahrungswerten und wurden von Familie zu Familie weitergegeben. Oftmals findet man in der Literatur nur seltenr Hinweise auf deren Herstellung und Verarbeitung. In der Ausführung der Arbeiten gab es enorme regionale Unterschiede und Besonderheiten, ein Erfahrungsaustausch unter den Handwerkern fand nur selten statt.

Zu beachten ist allerdings, dass es nicht immer möglich ist , die alten Handwerkstechniken und die historischen Mörtel anzuwenden. Im Bereich der Denkmalpflege wird oft auf die Charta von Venedig aus dem Jahre 1964 (nach der 1989 vom II. Internationalen Kongress für Architekten und Techniker der Denkmalpflege genehmigten Fassung) verwiesen. Bei der Verwendung von historischen Mörtel sind aus dieser Charta die Artikel 10 und 12 wichtig. In den Artikeln heißt es u.a.:

Artikel 10: "...Wenn sich die traditiuonellen Techniken als unzureichend erweisen, können zur Sicherung eines Denkmals alle modernen Konservierungs- und Konstruktiontechniken herangezogen werden, deren Wirksamkeit wissentschaftlich nachgewiesen und durch praktische Erfahrung erprobt ist ..."
Artikel 12: "...Die Elemente, welche fehlende Teile ersetzen sollen müssen sich im Ganzen harmonisch einfügen und vom Originalbestand unterscheidbar sein, damit die Restaurierung den Wert des Denkmals als Kunst- und Geschichtdokument nicht verfälscht ..."

Aus diesen Artikel ergibt sich, dass es nicht immer anzustreben ist, die Sanierung mit den selben historischen Materialien durchzuführen, wenn man keinen unterschied zu dem Original erkenn kann. Bei der Restaurierung sollte man immer den Unterschied zwischen originaler Substanz und neu hergestellter Flächen erkennen.


Ursachen für häufig auftretende Mängel an historischen Mörteln sind schädliche Salze, die einerseits durch kapillare Feuchtigkeit oder infolge Hygroskopizität der Salze in das Bauwerk eindringen oder andererseits sich beim Einbau bereits im Baukörper befanden. Mangelnde Haftung des Putzes, der Gesimse oder der Ornamente können weitere Gründe für Schäden sein. Nur in den seltensten Fällen wurde ein Spritzbewurf zur besseren Haftung in früheren Bauepochen auf den Putzgrund aufgebracht. Aber auch materialbedingte Mängel infolge von unreinen und verschmutzten Materialien oder verarbeitungstechnische Fehler der Handwerker wie falsche Mischungsverhältnisse, falsches vorbereiten des Untergrundes oder fehlerhafte Nachbehandlung des Putzes führten oftmals zu Schäden.

Sollen bei der Restaurierung historische Mörtel eingesetzt werden, so ist zuerst eine eingehende Erfassung und Dokumentation des Bauwerkes, des Mörtels und des Untergrundes nötig. Dazu gehören neben der analytischen Untersuchung des Mörtels in einem Labor nach deren Zusammensetzung und möglichen schädlichen Salzen auch eine analytische Untersuchung des Untergrundes, eventuell auch mittels Kernbohrungen sowie eine Sichtung von Archivmaterial. Anschließend erfolgt die Auswertung der vorliegenden Daten und die Festlegung der Sanierungsarbeiten. Dann wird ein Mörtel hergestellt und Probeflächen angelegt. Sollte das Material den Anforderungen genügen und sich gut verarbeiten lassen, wird mit diesem Material die Restaurierung ausgeführt, anderenfalls muss das Material modifiziert bzw. ein anderes Produkt eingesetzt werden. Je nach Forderungen des Denkmalschutzamtes können vorgefertigte Werktrockenmörtel oder Baustellenmischungen mit den ursprünglich verwendeten Bindemittel, Zuschlägen und Zuschlagstoffen zur Ausführung kommen.
Gerade im Bereich der Denkmalpflege wird von den Behörde der Erhalt von erhaltungsfähigen Putzen, Fassungen, Gesimsen und Ornamenten gefordert, so dass oftmals bei Sanierungen bzw. Restaurierungen diese Elemente erhalten bleiben und nur Teilflächen erneuert werden.

Neben der Sanierung des Mörtels ist es äußerst wichtig, flankierende Maßnahmen durchzuführen, um die Ursache der Schäden zu beheben. So bringt z.B. der beste Sanierputz nichts, wenn der Salztransport im Mauerwerk nicht unterbrochen wird bzw. die Salzkonzentration im Mauerwerk so hoch ist, das das Porenvolumen des Sanierputzes nicht ausreicht, die Salze aufzunehmen.
Gerade beim Thema Sanierputz scheiden sich die Ansichten der meisten "Experten". Während viele glauben, das mit der Verwendung von Sanierputz alle Feuchtigkeitsprobleme gelöst sind und keine Probleme mehr auftreten, vertreten andere die Meinung, dass Sanierputz nur unnötig teuer ist und die Probleme der Feuchtigkeitsbelastung nicht bewseitigen.


Die Firma Stuck Nagel GmbH führt alle Arbeiten aus, die in Zusammenhang mit historischen Mörtel nötig sind, angefangen von Voruntersuchung, Sichtung von Archivmaterial, Analyse von Mörteln und Putzen durch anerkannte Prüfinstitute, den restauratorischen Befund, der Auswahl des Werktrockenmörtels in Zusammenarbeit mit der Industrie bzw. die Herstellung des Mörtels auf der Baustelle nach historischen Rezepturen sowie die Ausführung der Putz- und Stuckarbeiten im Bereich der Denkmalpflege, auch in traditionellen Handwerkstechniken.


Siehe hierzu auch Informationen zum Thema:
Geschichte der Architektur
Geschichte des Ziegels
Geschichte der Denkmalpflege
Anmerkungen zum Denkmalschtzgesetz von Berlin