Anmerkungen zum Denkmalschutzgesetz von Berlin

Stuck Nagel Berlin
Das Denkmalschutzgesetz von Berlin (DSchG Bln) geht davon aus, dass die Denkmal-Eigenschaft eines Gebäudes, eines Denkmalbereiches, einer Gartenanlage oder eines Bodendenkmals im Objekt selbst begründet liegt.
Dabei kann das auf verschiedener Ursache beruhen, z. B. auf der hohen Qualität der Gestaltung, der Originalität, oder auch der zeitgeschichtlichen Bedeutung. Beurteilt wird deshalb aus geschichtlichen, künstlerischen, bautechnischen, wissenschaftlichen oder stadgestalterischen Gesichtspunkten.

In der Regel sind die Objekte, die als denkmalwert erkannt wurden, in die Denkmalliste von Berlin aufgenommen worden. Diese kann allerdings nie endgültig sein. Oft erkennt erst die nächste Generation den besonderen Denkmalwert und leider ist nicht ganz auszuschließen, dass auch mal ein Denkmal nicht erhalten werden kann.

Ansprechpartner und Genehmigungsbehörde für alle Berliner Denkmalbelange sind die Unteren Denkmalschutzbehörden der einzelnen Bezirke. Auch bei Gebäuden die nicht unter Denkmalschutz stehen aber sich in untermittelbarer nähe zu denkmalgeschützten Gebäuden befinden, kann es sein, dass sie sich im Umgebungsschutzbereich (Ensembleschutz)von Denkmälern befinden und ebenso eine Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde eingeholt und deren Auflagen beachtet werden müssen.

Genehmigungspflichtig ist jede Veränderung am Bild, an der Konstruktion, an der Nutzung und in der Umgebung eines Bau- oder Gartendenkmals.
Das Denkmalschutzgesetz schreibt eindeutig vor, welche Genehmigungen vor Beginn der Arbeiten bei den Unteren Denkmalschutzbehörden eingeholt werden müssen.
Gemäß § 10 "darf ein Denkmal ohne Genehmigung der Denkmalschutzbehörde nicht ganz oder teilweise beseitigt, wiederhergestellt, instandgesetzt, in seiner Nutzung geändert, von seinem Standort oder Aufbewahrungsort entfernt oder durch das Anbringen von Anlagen der Außenwerbung, von Automaten oder in sonstiger Weise verändert werden. Die Genehmigung darf nur versagt werden, wenn ihr Gründe des Denkmalschutzes entgegenstehen." ...
"Die Genehmigung kann mit Auflagen und Bedingungen verbunden sowie unter dem Vorbehalt des Widerrufs oder befristet erteilt werden. Die Genehmigung kann insbesondere mit der Bedingung verbunden werden, dass bestimmte Arbeiten nur durch Fachleute oder unter der Leitung von Sachverständigen ausgeführt werden, die die Denkmalschutzbehörde bestimmt."
Der §12 enthält Regelungen, sofern ein Denkmal ohne Genehmigung verändert wurde: "Ist ein Denkmal ohne Genehmigung verändert und dadurch in seinem Denkmalwert gemindert worden oder ist es ganz oder teilweise beseitigt oder zerstört worden, so kann die Denkmalschutzbehörde anordnen, daß derjenige, der die Veränderung, Beseitigung oder Zerstörung zuvertreten hat, den früheren Zustand wiederherstellt. Die Denkmalschutzbehörde kann die erforderlichen Arbeiten auf Kosten des Verpflichteten durchführen lassen, wenn die denkmalgerechte Wiederherstellung sonst nicht gesichert erscheint. Sie kann von dem Verpflichteten einen angemessenen Kostenvorschuß verlangen. Verfügungsberechtigte, Mieter, Pächter und sonstige Nutzungsberechtigte haben die Durchführung der Maßnahmen zu dulden."

Denkmalschutz ist eine hohe Kulturverpflichtung für die Allgemeinheit. Der Gesetzgeber hat zum Schutz der Denkmale bei Verstößen gegen das Gesetz hohe Geldbußen vorgesehen. Im Regelfall obliegt dem Eigentümer jede Verpflichtung zum Erhalt des Denkmals. Allerdings gibt es für Mehraufwendungen Steuererleichterungen und in seltenen Ausnahmen evtl. auch direkte Zuwendungen vom Landesdenkmalamt. Dieses berät auch Architekten und Eigentümer bei schwierigen Problemen mit ihrem Denkmal.

Zuweilen glauben Bürger, es käme allein auf das äußere Bild an, das unter Schutz steht. Das ist ein Irrtum. Im Grundsatz ist jedes Baudenkmal ein Zeugnis seiner Zeit, des Geschmacks seiner Zeit, der Baustoffe, und seiner Handwerks- und Haustechnik. Es kann leider nicht generell gesagt werden, welche Veränderungen aus denkmalrechtlicher Sicht noch hingenommen werden können.

Das öffentliche Interesse am äußeren Bild ist meist deutlich höher als am vollständigen Erhalt aller Details im Hausinnern. Das Austauschen von Fenstern und Haustüren wird allerdings von der Denkmalpflege immer als sehr problematisch angesehen und ist in der Regel unnötig. Übrigens ist auch in der Umgebung eines Bau- oder Gartendenkmals bei baulichen Veränderungen auf dieses Rücksicht zu nehmen.

Grundlage aller denkmalpflegerischen Praxis ist die Erfassung der Denkmäler, denn die als Verpflichtung verstandenen Bemühungen um Erhaltung werden erst dort einsetzen, wo ein Denkmal in seiner Bedeutung erkannt ist.

Am Anfang einer jeden Restaurierung eines Denkmales steht die Bestandsaufnahme mit Dokumentation und Kartierung des Istzustandes einschl. der vorhandenen Schäden sowie eine Dokumentaiuon über die baugeschichtliche Entwicklung des Gebäudes zu erstellen.

Viele Architekten, Planer und Bauherren haben ihre eigene Vorstellungen über die Behandlung des Putzes mit Farbe. Dabei wird nur allzu oft übersehen, dass die Fülle der heute angebotenen Farben und Materialien den alten Bauten nicht nur aus denkmalpflegerischen Anforderungen oft nicht gerecht wird, sondern auch aus bauphysikalischen oder bauerhaltenden Gründen mitunter bedenklich ist.

Denkmalpflegerisch und damit auch handwerklich sachgerecht behandelte Fassaden müssen übrigens nicht teurer sein als die Sanierung moderner Art. Durch eine sorgfältige restauratorische Vorbereitung der Arbeiten können in der Regel zahlreiche Fehler frühzeitig vermieden werden.

Die staatliche Denkmalpflege wie wir sie heute kennen gibt es noch nicht allzu lange. Zwar wurden schon seit jeher bestimmte Bauwerke geschützt, doch erst der Berliner Baumeister Karl Friedrich Schinkel regte 1815 in einem Memorandum zur Erhaltung "aller Denkmäler und Altertümer unseres Landes" den Grundstein zu der heutigen, modernen Denkmalpflege in Deutschland und ist somit der Vater der deutschen Denkmalpflege. Erster Konservator der preußischen Denkmäler wurde 1843 Ferdinand von Quast.

In den folgenden Jahrzehnten wurde der Denkmalschutz zunehmend unter wissenschaftlichen Aspekten gesehen. Bis zum Jahre 1931 war der Denkmalschutz national orientiert. Erst mit der Charta von Athen kommt es zu ersten internationalen Übereinkünften im Bereich der Denkmalpflege. Durch den Zweiten Weltkrieg kommt es aber erst 1964 zu der Charta von Venedig. Das verabschiedete Dokument "Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern" bildet die einzig verbindliche Grundlage für den Umgang mit historischer Bausubstanz auf internationaler Ebene und ist auch in der Einzelaussage noch heute aktuell. Erstamls wurde festgelegt, dass konservieren vor restaurieren geht.


Siehe hierzu auch Informationen zum Thema:
Geschichte der Denkmalpflege
Geschichte der Architektur
Referenzliste eingetragener denkmalgeschützter Gebäude