Geschichte der Denkmalpflege

Stuck Nagel Berlin
Die Geschichte der Denkmalpflege ist immer auch geprägt von der Zuwendung und der Ablehnung der vergangenen Kulturen und den jeweiligen Bewertungskriterien.
In der Antike waren Denkmäler vor allem Erinnerungszeichen, Trophäen und Siegeszeichen zur Demonstration der Macht.

In der ägyptischen Antike wurden oftmals Steinblöcke wiederbenutzt. Wenn ältere Bauten am gleichen Ort durch einen Neubau ersetzt wurden, verbaute man das Abbruchmaterial in den Fundamenten. Auf diese Weise blieb das Eigentum Gottes gewahrt und der Neubau Stand auf einer alterwührdigen Basis.

Ein erstes Edikt zur Bewahrung des Stadtbildes gab es bereits ca. 50 v.Chr. von Vespasian (79-9 v.Chr.), der u.a. das Kolosseum baute.

Die Deutsche Baukunst beginnt mit der Einführung des Christentums. Erste Steinbauten waren anfangs nur Sakralbauten, erst später kamen Militärbauten hinzu.
Das christliche Mittelalter lehnte das Denkmal ab. Aus religiösen Gründen gab es aber eine Art denkmalpflegerisches Verhalten, wenig später auch aus wirtschaftlichen Aspekten. So wurden Teile von Gebäuden nicht komplett abgerissen, sondern bewusst erhalten aus Verehrung zu ihren meist heiligen Erbauern. Konnten nicht ganze Gebäude oder Mauern erhalten bleiben, so benutzte man aber die alten Fundamente, da man das neue Gebäude auf heiligen Kultstätten errichten wollte.

Für die Baugeschichte des Mittelalters in Deutschland ist charakteristisch, dass es kaum eine Kirche gab, bei der beim Neubau nicht ein älter Chor, Turm oder Mauerteil einbezogen wurde.

Die größten Verluste an Kunstwerken aller Art im Mittelalter gehen auf die zahlreichen Kirchenbrände zurück, verursacht durch das Kerzenlicht in Räumen mit Holzbalkendecke, durch Blitzschlag und Brandschatzungen in den Kriegen und Raubzügen.

In der Renaissance entdeckte man das Altertum neu. Es gab Bauerhaltungsedikte, die Baumeister Poggio und Andrea Palladio (1508-1580) rekonstruierten das antike Rom, Raffael war Kommissar für die antiken Monumente in Rom und Papst Paul II. schuf eine Zentralbehörde zum Schutz antiker Denkmäler.

Die schwersten Verluste an Bauwerken und beweglichen Kunstwerken verursachte der Dreißigjährige Krieg (1618-1648). Viele Städte und Dörfer versanken in Schutt und Asche, Klöster wurden verwüstet, Burgen und Schlösser niedergebrannt.

Das 17. und 18.Jh. lehnte zwar den Denkmalschutz weitgehend ab; man zerstörte bzw. entfernte gotische Elemente aus den Kirchen, es wurde aber der Boden für die moderne Denkmalpflege geschaffen: der Kulturverfall wird Hauptgebiet der Geschichtsforschung, die Volkskultur wird interpretiert aus dessen Bedingtheit durch Volkscharakter, Klima und Landschaft. Die Archäologie erhält einen neuen stellenwert.

Die Baukunst im Mittelalter war für die Barockzeit nicht ohne Interesse, doch wertete man sie als etwas fremdartig-kurioses, etwa so wie asiatische Kunst, gut für ruinöse Grotten in Schlossparks zur Erzeugung wohlig-schauriger Gefühle.

Die erste bekannte Denkmalschutzverordnung in Deutschland stammt aus dem Jahre 1780. Sie bezieht sich allerdings nicht auf Gebäude sondern auf Wappensteine, Grabdenkmale, Inschriftentafeln usw. . Die Sorge der Landesherren galt nicht historischer Bausubstanz und deren Geschichte, sondern vielmehr der Sorge um die eigene Familiengeschichte, deren Anfänge im mittelalterlichen Rittertum den gegenwärtigen Herrschaftsanspruch noch festigen sollten.

Nach dem Dreizigjährigen Krieg ist die zweite Epoche der großen Kunstverluste in der deutschen Geschichte in der Zeit zwischen 1780 und 1820. Die Französische Revolution (1789), die Koalitionskriege gegen Frankreich, Napoleons Kriegszüge durch ganz Europa, die von ihm erzwungene Neuordnung der Territorien und staatlichen Organisationen sowie dem Niedergang der Adelshäuser und Fürstentümer bedeuteten direkt oder indirekt den Untergang wertvoller Baudenkmäler und ihrer Ausstattungen.

Der moderne Denkmalschutz beginnt im frühen 19.Jh. . Den gesetzlichen Schutz für Baudenkmäler gibt es erst seit dem 2.Jahrzehnt des 19.Jh. (1818 Erlass zur ersten Denkmalschutzverordnung in Hessen), er verdankt seiner Entstehung dem stark gewachsenen Interesse an deutscher Geschichte des Mittelalters als ferne Zeit eines ersten Deutschen Reiches, Vorbild für die nationalen Einigungsbestrebungen nach den Befreiungskriegen. Die stärksten Impulse für den Baudenkmalschutz gingen aber nicht von der Politik oder Geschichtswissenschaft aus, sondern vielmehr von schöpferischen Architekten.

Neben der Rettung einer großen Zahl bedeutender Bauwerke hat die Romantik (1790-1830), eine Gegenbewegung zum Klassizismus, vor allem die geistig und rechtlich-organisatorische Grundlage des Denkmalschutzes geschaffen und dies aus ganz idealistischen Motiven, aus einer Begeisterung für das neuentdeckte Mittelalter und aus dem neugewonnenen Selbstverständnis für die eigene Nation und ihre Geschichte.

Der Historismus des 19.Jh. entdeckte nach der griechischen und römischen Antike bald auch die Gotik und die Romanik als Vorbilder für das eigene Kunstschaffen. Gerade die bedeutendsten Architekten des Historismus waren zugleich die erfolgreichsten Vorkämpfer für den Denkmalschutz.

Als eigentlicher Schöpfer der Denkmalpflege in Deutschland ist Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) anzusehen. Nach seiner Ausbildung bereiste er von 1803 bis 1805 Italien, wo er sowohl romantische Bilder malte als auch Bauwerke entwarf - schon damals nicht mehr nur im klassizistischen, sondern auch bereits im gotischen Stil, dessen Baukunst ihn schon früh begeisterte, man findet sie mehrfach in seinen Bühnenbildern und Gemälden dargestellt. Als er 1814 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. den Auftrag erhielt einen deutschen Dom als Denkmal über den Sieg über Napoleon zu bauen, wählte er den gotischen Stil. Schinkel lehnte den Renaissance- und den Barockbaustil ab, bezeichnete beide Stile gar als italienischen Stil.
Schinkel entwarf in mindestens drei Stilarten, Klassizismus, Neogotik und Romantik, gleichzeitig. Doch setzte er sich auch stark für die Erhaltung von Gebäude aus der Renaissance und dem Barock ein. Schinkel vertrat schon zur damaligen Zeit die Auffassung der Denkmalpflege der heutigen Zeit, dass Konservieren des noch originalen Denkmalbestandes vor einer Restaurierung und vor allem vor einer Rekonstruktion Vorrang hat, da dadurch der Charakter des Gebäudes verloren geht.
Er sprach sich auch für eine eigenständige Behörde aus, die aus Vertretern verschiedener Stände (Geistlicher, Schulmann, Kirchenvorsteher, Magistratsperson, Baumeister und Künstler) zusammengesetzt werden sollte, doch wurde sie vom König noch nicht angenommen. Damit war allerdings die Idee des Denkmalrates, wie sie heute existiert, geboren.

Eine allerhöchste Kabinettsorder von 1835 verlagerte die Zuständigkeit für den Denkmalschutz vom Finanzminister auf den Kulturminister, eine Entscheidung von großer Tragweite für die Denkmalpflege. Aber noch mehr trifft dies für die Einsetzung eines Konservators der Kunstdenkmäler durch das Kabinett vom 1.Juli 1843 zu. Der Architekt Alexander Ferdinand von Quast erhielt Rang und Titel eines Baurates und war direkt dem Kultusminister unterstellt.
Vom Kultusminister erhielt er genaue Instruktionen über seine Aufgaben. Dazu gehörten, sich eine möglichst genaue Kenntnis aller vorhandenen Kulturdenkmäler zu verschaffen, dies durch jährliche Reisen zu erweitern, deren Erhaltung besonderer Aufmerksamkeit zu schenken, gutachterlich bei der Rekonstruktion mitzuwirken und das allgemeine Interesse für die Erhaltung der Denkmäler zu schaffen. Im Wesentlichen hatte der Konservator damit eine Stellung erhalten, die er auch heute noch in den neuen Denkmalschutzgesetzen besitzt.

In Bayern erfolgte die Einsetzung eines Konservators zwar schon etwas früher, sie war aber nicht so wirkungsvoll wie in Preußen, wo von Anfang an durch die hauptamtliche Tätigkeit eine größere Effektivität und Kontinuität gewährleistet wurde.

In den nachfolgenden Jahren wurden in allen größeren Ländern Deutschlands erste Verordnungen zum Denkmalschutz erlassen. Doch alle Verordnungen bezogen sich in erster Linie auf öffentlichen Besitz, ausgenommen waren Gegenstände des unbeschränkt freien Privateigentums.

Großen Anteil an der Weckung des öffentlichen Interesses am Denkmalschutz hatten von Beginn des 19.Jh. die Altertums-, Heimat- und Denkmalpflegevereine, insbesondere aber auch Architektenvereine. Ausgehend von dem Verfall oder drohendem Untergang bedeutender Kathedralen, Klosterkirchen, Burgen und Schlösser setzen sich diese Gruppen verstärkt für deren Erhalt ein. Diese Denkmäler bildeten auch den Schwerpunkt der Instandsetzung zu dieser Zeit. Ziel der denkmalpflegerischen Bemühungen war es, entgegen den Zielen des 18.Jh., die künstliche Ruinen schaffen wollten, die Komplettierung unvollendeter oder teilweise zerstörter Bauten.
Häufig ging man bei den Restaurierungsarbeiten mit einer akademischen Strenge und Starrheit vor, die mehr Schaden anrichtete als nutzte, zumal man gern die Geschichte der Bauten "korrigierte", "Stilunreinheiten" oder spätere Veränderungen entfernte, dafür aber unausgeführt gebliebenes "nachholte".

Neben zahlreichen anderen Domen wurden die Bauarbeiten am Kölner Dom, dessen 1248 begonnener Bau 1560 abgebrochen wurde, im Jahre 1842 wieder aufgenommen und 1880 als rein gotisches Bauwerk fertig gestellt, als Zeichen der deutschen Einheit.

Gegner dieser Restaurierungswelle mit ungeheuren Verlusten an gewachsenem historischen Bestand waren unter anderem Viollet-le-Duc (1814-1879), Georg Dehio (1850-132), John Ruskin, Alois Riegel (1858-1905) und Max Dvorák.

Im Anschluss an den Historismus wurden die "restaurierten" Gebäude als künstlerisches Zeugnis nicht anerkannt. Noch bis in die sechziger und siebziger Jahre des 20. Jh. wurden die umgestalteten oder neu gestalteten Gebäude, vor allem viele Kirchen "entrestauriert", das heißt purifiziert. Erst in den letzten Jahrzehnten hat man mit dem gewachsenen Verständnis für den Historismus erkannt, dass dies ein verhängnisvoller Irrtum war, der, wie das Schicksal so mancher Pfarrkirche und ihrer historischen Ausstattung zeigt, heute leider kaum wieder gut zu machen ist.

Allerdings war das 19.Jh. keineswegs als durchgehende Blütezeit des Denkmalschutzes anzusehen. Die hoffnungsvollen, ganz idealistischen Ansätze gleich nach den Befreiungskriegen Anfang des 19.Jh. konnten jedoch gegen Ende des 19.Jh. den Entwicklungen nicht entgegenwirken.

Nach dem Sieg über Frankreich und der Neugründung des Reiches 1871 kam es zu umwälzenden wirtschaftlichen Entwicklungen mit einer bis daher noch nie dagewesenen Baukonjunktur. Heute wird diese Zeit auch als Gründerzeit (1871-1890) beschrieben. Eine starke Landflucht setzte ein und die Einwohnerzahl verdoppelte bzw. verdreifachte sich in wenigen Jahrzehnten.
Das hatte zur Folge, dass die Bauflächen in der Stadt knapp und teuer wurden, die Städte sich immer weiter ausdehnten und immer höhere Gebäude errichtet wurden. Die moderne Denkmalpflege erlebte ihre erste Krise. Bedingt durch den Verlust vieler historischer Gebäude musste sie auch gegen den Zeitgeist der Bevölkerung mit seinen Wachstumsfanatismus und Materialismus ankämpfen.

Erst gegen Ende des 19.Jh. erstärkte der Denkmalschutz wieder. In Preußen war man personell besser gestellt als in anderen Ländern, da man noch immer einen hauptamtlichen Konservator beschäftigte. 1891 genehmigte Kaiser Wilhelm II. eine Verordnung, den Denkmalschutz den Provinzverwaltungen unterzuordnen und stärkte damit den Denkmalschutzgedanken, da die verschiedenen Provinzen um den besten Denkmalschutz wetteiferten. Diese Organisationsform war auch zukunftsweisend. Nach 1945 wurden die Provinzkonservatoren in Landeskonservatoren umbenannt, um der neuen föderativen Struktur der Bundesrepublik Deutschland gerecht zu werden.

Im Jahre 1899 wurden zwei Organisationen ins Leben gerufen, die die Denkmalpflege in ein breiteres Licht der Öffentlichkeit brachten und ein breites Diskussionsforum zu allen Fragen der Denkmalpflege ermöglichte. Zu einem war dies die Herausgabe der Zeitschrift "Die Denkmalpflege" und zum anderen die Errichtung des Deutschen Denkmalschutztages.
Erstere erscheint auch heute noch unter den Titel "Deutsche Kunst und Denkmalpflege", der Denkmalschutztag wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 nicht wieder aufgenommen.
Während in anderen Ländern Privateigentum mehr und mehr in den Verordnungen und Gesetzen geregelt wurden, lehnte Preußen die Einbeziehung weiterhin strikt ab.
Der Erste Weltkrieg 1914 unterbrach die positiven Entwicklungen zum Denkmalschutz.

Mit Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches 1918 verstärkten sich die Bemühungen der Denkmalpflege auf die bürgerliche und bäuerliche Kultur und erhielt in Verbindung mit den Heimatschutzbünden eine breitere Basis in der Öffentlichkeit.
Im Artikel 150 der Reichsverfassung wurde der Denkmalschutzgedanken als verfassungsmäßige Aufgabe verankert. In der Verfassung einzelner Bundesländer wurde der Artikel 150 nach 1945 fast wörtlich wieder aufgenommen. Aber aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage kam es in vielen Teilen Deutschland zu keiner Besserstellung des Denkmalschutzes. Auch Preußen blieb seiner Ablehnung gegen ein modernes Denkmalschutzgesetz treu.
Die Denkmalpflege der damaligen Zeit beschränkte sich vor allem mit der Sicherung der Substanz vor dem Verfall und sicherte dadurch den Verlust unzähliger historischer Gebäude.

Bis zum Ende der zwanziger Jahre war die Denkmalpflege vorwiegend national (völkisch) orientiert. Mit der internationalen Konferenz in Athen 1931 und der Verabschiedung der Charta von Athen über die Grundsätze zum Denkmalschutz kommt es erstmals zu internationalen Vereinbarungen, die aber aufgrund des Zweiten Weltkrieges in ihren Keim erstickten.

Die Begeisterung für deutsche Kunst nutzte der Nationalsozialismus aus und er benutzte den Denkmalschutz dazu, die führende Rolle des Deutschtums in der Kunst nachzuweisen. Der Nationalsozialismus pflegte die Stilepochen und Kunstgattungen, die am wenigsten mit den romanischen Völkern ihren Ursprung fanden. Dazu gehörten die Ur- und Frühgeschichte sowie den Fachwerkbauten.
Während der nationalsozialistischen Zeit von 1933 bis 1945 stand der Denkmalschutz im Dienst der Nation. Vorrangig waren die Erhaltung passender Monumentalbauten, die Erhaltung völkischer Bauten und eine saubere Altstadt.
Ziel Hitlers war es christliche Kirchen zu nationalen Weihestätten umzufunktionieren und Kunstwerke in seinem Sinne zu verfälschen.
Die Bewältigung der wirtschaftlichen Probleme, die Aufrüstung und schließlich der Zweite Weltkrieg hinderten die Nationalsozialisten an den Ausführungen ihrer Pläne.
Viele historische Gebäude und Kulturgüter wurden durch den Krieg zerstört. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, der Zeit um 1800 und der Gründerzeit war der Nationalsozialismus mit seinen Folgen die vierte Phase von schwersten Zerstörungen von Denkmälern.

In Deutschland fehlte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 jede Motivation für die Denkmalpflege als öffentliche Aufgabe. Das Bewusstsein für die eigene Geschichte war nach dem Missbrauch im Dritten Reich genauso verloren gegangen wie die Bindung an die eigene Nation oder auch nur an die heimatliche Umwelt. Zudem war jeder Einzelne, mit der Beseitigung äußerer Not und mit dem Wiederaufbau seiner eigenen Existenz beschäftigt, um Interesse am Wiedererstehen der Kunstdenkmäler aufzubringen.
Ziel nach dem Krieg war die Beschaffung von Wohnraum und Arbeitsstätten, so dass viele zerstörte Baudenkmäler abgerissen wurden um Platz für Neubauten zu schaffen und deren Baumaterialien für den Wiederaufbau zu verwenden.

Mit zunehmendem Wohlstand stiegen auch die Ansprüche an den Wohnkomfort, der mit den historischen Gebäuden, die nur schlechte sanitäre Ausstattungen aufwiesen, nicht zu erreichen war. Der berechtigte Wunsch von Millionen von Bürgern nach einer angemessenen, zeitgemäßen Wohnung hatte die Entwicklung einer Bauindustrie mit standardisierenden Wohnungstypen zur Folge. Dabei achtete man mehr auf dem Komfort im Inneren als auf eine harmonische bauliche Umwelt, die in Serienbauten auf engsten Raum immer monotoner wurden. Hinzukam die neu verwendeten Baustoffe, die nach der Werbung der Bauindustrie pflegefrei waren und ewig Haltbar sein sollten.
Der Rationalisierungsprozess der Bauindustrie förderte die Konzentration auf Großbetriebe und bedrohte das Handwerk in seiner Existenz. Das Handwerk musste sich, um existenzfähig zu bleiben, auf die Verarbeitung von, teilweise halbfertigen, Industrieprodukten umstellen. Viele traditionelle Handwerkstechniken gingen dadurch verloren und können heute nur noch von wenigen Spezialisten ausgeführt werden, welche die Kosten für Bautätigkeiten in der Denkmalpflege kräftig erhöht. Hinzukommt die verheerende Entwicklung bei der Ausbildung der Architekten, bei der mehr und mehr auf klassischen Fertigkeiten des Zeichnens, Aufmessens und der baugeschichtlichen Kenntnis verzichtet wird.

Die zuvor beschriebene Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr bis zum Ende der 60er Jahre keine nennenswerte Kritik aus Reihen der Bevölkerung; sie wurde sogar von ihr größtenteils gutgeheißen und mitgetragen. Zu Beginn der 70er Jahre änderte sich diese Einstellung aufgrund der gesellschaftspolitischen Entwicklung in Deutschland zusehends und fand ihren Höhepunkt in dem europäischen Denkmalschutzjahr 1975.

1964 wurde der Geist der Charta von Athen mit der Internationalisierung der Denkmalpflege durch die Charta von Venedig wieder aufgenommen. Ziel der Vereinbarung war die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern.
Weitere internationale Vereinbarungen folgten. Das waren 1981 die Charta von Florenz (Charta der historischen Gärten) und 1987 die Charta von Washington (Denkmalschutz in historischen Stätten und 1989 der Charta von Lausanne.


Im Deutschen Grundgesetz wird der Denkmalschutz nicht erwähnt, denn der Denkmalschutz unterliegt in der Bundesrepublik Deutschland den einzelnen Ländern. Allerdings gibt es eine Reihe von Bundesgesetzen, in denen Denkmalschutz mit angesprochen wird, so z.B. das "Gesetz zum Schutz des deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung", dem "Baugesetzbuch des Bundes", dem "Raumordnungsgesetz" sowie dem "Städtebauförderungsgesetz", um nur die wichtigsten zu nennen.
Die Länderverfassungen und die Bauordnungen der Länder enthalten wichtige Hinweise zur Erhaltung der Denkmäler. Für den Denkmalschutz sind jedoch die Denkmalschutzgesetze der Bundesländer die wesentlichen Richtlinien. Sämtliche Bundesländer verabschiedeten Denkmalschutzgesetze zwischen 1971 bis 1993. Baden-Württemberg fing 1971 an, gefolgt von Schleswig-Holstein 1972 als Neufassung eines, in Deutschland einmaligen Gesetzes von 1958. Berlin verabschiedete ein Denkmalschutzgesetz 1977. Die neuen Bundesländer folgten nach der Wiedervereinigung 1990.

Ziel der Denkmalpflege seit ihren Anfängen im 19. Jh. war vor allem auch die wissenschaftliche Inventarisierung, dass heißt die vollständige und präzise Erfassung der Denkmäler mit wissenschaftlichen Methoden und ihre Beschreibung durch Text, Abbildungen, Pläne usw. aufgrund von wissenschaftlicher Untersuchungen. Doch ist die Inventarisation bis zum heutigen Tage noch nicht abgeschlossen; vielerorts wird dieses momentan auch nicht fortgeführt.


Siehe hierzu auch Informationen zum Thema:
Anmerkungen zum Denkmalschtzgesetz von Berlin
Geschichte der Architektur
Referenzliste eingetragener denkmalgeschützter Gebäude