Gerüstbauarbeiten

Stuck Nagel Berlin
Europa nimmt sich auch der Gerüstbaunormen an. Die DIN 4420 Teil 1 bis 4 in ihrer letzten Fassung vom Dezember 1990 ist in ihrer bisher bekannten Form nicht mehr gültig. Sie regelte als Grundlage für den Arbeitsschutz die Verwendung von Gerüsten und darüber hinaus die Erstellung von Standsicherheitsnachweisen und die Produktanforderungen.
In den neuen EN Normen werden nur noch die Anforderungen an die Produkte geregelt, z.B. Konstruktion, Dimensionierung, Belastbarkeit und Werkstoffe. Eine der wesentlichen Änderungen ergibt sich im Bereich der Bestimmung der sechs Gerüstgruppen, die bisher nach DIN 4420 in ihrer Mindestbreite und angegebenen Belastungen vorgegeben waren. Hier wird in Zukunft nach der DIN EN 12811-1 unterschieden nach Breitenklassen, lichter Höhe und Lastklassen. Diese drei Faktoren können beliebig miteinander kombiniert werden.

Die DIN EN 12811-1 trifft nur Festlegungen zu Arbeitsgerüsten. Für Schutzgerüste sind die Festlegungen in DIN EN 4420-1:2004-03 getroffen. Für fahrbare Arbeitsbühnen aus vorgefertigten Bauteilen ist DIN EN 1004:2004 maßgebend.


Gerüste (Arbeits- und Schutzgerüste) sind Hilfskonstruktionen, die mit Belagflächen veränderlicher Breite und Länge an der Verwendungsstelle aus Einzelteilen zusammengesetzt als Arbeits- und Schutzgerüste verwendet werden.

Arbeitsgerüste sind Gerüste von denen aus Arbeiten ausgeführt werden können. Sie müssen ausreichend tragfähig sein, um die darauf Arbeitenden, ihr Arbeitsgerät sowie das erforderliche Arbeitsmaterial zu tragen.

Arbeitsgerüste der Lastklasse 2 und der Breitenklasse W06 nach DIN EN 12811-1 (entsprechen der ehemaligen Gerüstgruppe 2 nach DIN 4420-1) werden für Arbeiten eingesetzt, die kein Lagern von Materialien und/oder Bauteilen erfordern.
Gerüste der Lastklasse 3 (gleichmäßig verteilte Last ≤ 2,00 kN/m²) und der Breitenklasse W06 (entsprechen der ehemaligen Gerüstgruppe 3 nach DIN 4420-1) werden für Arbeiten eingesetzt, bei denen kleinere Mengen Materialien und/oder Bauteile gelagert werden können. Zulässige Arbeiten (unter Berücksichtigung der Materialbelastung) können z.B. sein: maschinelle Putzarbeiten, Stuckarbeiten, Malerarbeiten, Beschichtungsarbeiten, Verfugungsarbeiten, Ausbesserungsarbeiten.
Arbeitsgerüste der Lastklassen 4, 5 und 6 (gleichmäßig verteilte Last ≥ 3,00 kN/m²) und der Breitenklasse W09 und höher (entsprechen den ehemaligen Gerüstgruppen 4, 5 und 6 nach DIN 4420-1) werden für Arbeiten eingesetzt, bei denen Materialien und/oder Bauteile in größeren Mengen gelagert werden können. Zulässige Arbeiten (unter Berücksichtigung der Materialbelastung) können z.B. sein: Maurerarbeiten, Putz- und Stuckarbeiten, Fliesen- und Natursteinarbeiten, Dachdeckungsarbeiten, Fassadenbekleidungsarbeiten, Malerarbeiten, Beschichtungsarbeiten, Verfugungsarbeiten, Ausbesserungsarbeiten, Montagearbeiten.

Schutzgerüste sind Gerüste, die als Fanggerüste Personen gegen Absturz sichern oder als Schutzdächer vor herabfallenden Gegenständen schützen.

Fanggerüste dienen dazu, Arbeiten an schrägen Flächen wie zum Beispiel an Dächern abzusichern und zu verhindern, dass Personen und Gegenstände über die Traufkante hinweg tiefer nach unten abstürzen.


Es dürfen nur Gerüste und Gerüstteile verwendet werden, deren Brauchbarkeit hinsichtlich der Beschaffenheit nachgewiesen ist.

Weiterhin werden Gerüste auch nach ihren Tragsystem unterschieden:
Standgerüst
Hängegerüst
Auslegergerüst
Konsolgerüst


Werden Gerüste nach der Regelausführung erstellt, so gilt der Nachweiß für die Brauchbarkeit als erbracht. Abweichungen von der Regelausführung brauchen einen statischen Nachweiß. Kann ein Gerüst in einzelnen Teilen oder als Ganzes nicht übereinstimmend mit der Regelausführung erstellt werden, so muss für den abweichenden Teil bzw. für das ganze Gerüst ein statischer Nachweiß erbracht werden. Als Abweichungen von der Regelausführung können u.a. in Frage kommen:
abfangen von Ständern z.B. über Verkehrswege
vergrößerte Gerüstfeldlängen oder -breiten
auskragende Gerüstabschnitte bei Standgerüsten

Sondergerüste müssen stets statisch nachgewiesen werden, da es für diese Gruppe keine Regelausführung gibt.


Ein Stahlrohrgerüst besteht aus folgenden Teilen:
Unterlagsbohlen (Fussplatte)
Vertikalrahmen (Ständer)
Spindelfüsse
Längs- und Querriegel
Zwischenholm
Längsriegel und Längsverstrebungen (Diagonalen)
Belagtafeln
Bordbrett
Geländerholm
Stirnseitenschutz
Verankerung




Lastklassen von Arbeitsgerüsten nach DIN EN 12811-1

Lastklasse Gleichmäßig verteilte Last kN/m2
1 0,75
2 1,50
3 2,00
4 3,00
5 4,50
6 6,00





Breitenklassen von Arbeitsgerüsten

Breitenklasse Breite w der Gerüstlage in m
W 06 0,6 < w < 0,9
W 09 0,9 < w < 1,2
W 1,2 1,2 < w < 1,5
W 1,5 1,5 < w < 1,8
W 1,8 1,8 < <2,1
W 2,4 2,1 < w< 2,4
W 2,1 2,1 < w




Gruppeneinteilung der Arbeitsgerüste nach der alten DIN 4420

Gerüstgruppe Mindest-
breite der Belagfläche2)
Flächen-
bezogenes Nutzgewicht kg/m2
Flächen-
pressung3) kg/m2
1 0,501) - -
2 0,601) 150 -
3 0,601) 200 -
4 0,90 300 500
5 0,90 450 750
6 0,90 600 1000
1) Die Bordbrettdicke darf mitgerechnet werden.
2) Die freie Durchgangsbreite muss bei Materiallagerung auf der Belagfläche mindestens 0,20m betragen.
3) Flächenpressung ist hier Nutzgewicht durch dessen tatsächliche Grundrissfläche.