Malerarbeiten

Stuck Nagel Berlin

Fassadenanstriche

Nach einer erfolgten Fassadensanierung sollte die Fassade gestrichen werden, da der Putz sowie der Stuck geschützt werden muss gegen schädliche Witterungs- und -umwelteinflüsse. Zudem hat der Farbanstrich eine optische Funktion, um das Erscheinungsbild einer Fassade zu verschönern und zu vereinheitlichen.

Folgende Fassadenuntergründe können vorhanden sein:

Glattputzfassaden
Rauhputz als Kratz-, Maden- und Schlepputz
Fassadenflächen mit Stuck
Gestrichene Fassadenflächen

Die genannten Untergründe können als Neuputzflächen (ggf. als neu hergestellter Stuck) bzw. bei nur teilweiser Putz- und Stuckausbesserungen als Kombination aus Neuputz, Altputz und Altputz mit alten Anstrichen vorkommen. Der Untergrund besteht in der Regel aus Kalk- und Kalkzementmörteln sowie im Sockelbereich aus Zementmörteln. An historischen Gebäudenn kann der Untergrund aber auch aus Gipsmörtel oder Gipskalkmörtel bestehen. An Fachwerkhäusern snd sehr oft Lehmmörtel anzutreffen.
Während bei Putzfassaden die Wahl des Farbsystems und deren sachgemäße Ausführung noch recht einfach ist, wird es bei Stuckfassaden schwieriger, das passende Anstrichsystem zu finden und eine sachgemäße Durchführung zu gewährleisten. Hingewiesen sei an dieser Stelle nur auf die Tatsache, daß gipshaltige Baustoffe eine andere Untergrundvorbehandlung benötigen als Baustoffe mit Kalk oder Zement als Bindemittel.
Die Wahl des Anstrichsystems erfolgt nach der Beschaffenheit des Untergrundes sowie nach der gewünschten Materialart. Die Farbhersteller bieten hier eine breite Produktpalette an. Wichtig ist, daß man bei einem gewählten Farbsystem bleibt und dieses System auch nach den Herstellerangaben ausführt. Leider werden heute oftmals eine oder mehrere Arbeitsgänge aus kostengründen weggelassen. Zu empfehlen ist eine Beratung durch den Farbhersteller sowie deren Objektüberwachung.

Klassifikation von Fassadenfarben
Bindemittel
Kunstharz
Bindemittel
Siliconharz
Bindemittel
Kaliwasserglas
Bindemittel
Kalk
Dispersionsfarbe Siliconharzfarbe Silikatfarbe mineralische Farbe

Reine Silikatfarben und Siliconharzfarben eignen sich aufgrund ihrer hohen Wasserdampfdurchlässigkeit für Neuputz und intakten, ungestrichenen Putz. Nachteil dieser Farben, aus Sicht des Putzers bzw. Stukkateurs ist die Tatsache, dass aufgrund der Eindringtiefe der Farbe jeder kleinste Ansatz und Strukturunterschied des Oberputzes (bedingt durch unterschiedliches Abbindeverhalten des Putzes und der damit verbundenen unterschiedlichen Wasserzugabe beim Reiben und Filzen des Putzes) zu sehen ist. Wesentlich besser sind daher Siliconharzemulsionsfarben sowie Dispersionssilikatfarben.
Dispersionsfarben wurden bis vor wenigen Jahren noch sehr häufig verwendet, doch aufgrund ihrer Eigenschaften sind sie heute weniger für Fassadenanstriche geeignet.

Fast alle heutigen Farben gibt es gefüllt oder ungefüllt. Bei den gefüllten Farben unterscheidet man zwischen zwei Füllstoffen:

Mit Quarz aufgefüllte Farbe, die eine höhere Füllkraft und eine geringere Oberflächenspannung aufweisen
Mit Fasern aufgefüllte Farben, die eine höhere rißüberbrückende Eigenschaft aufweisen.

Aus Sicht des Putzers bzw. des Stukkateurs haben diese Farben den Vorteil, daß man Strukturunterschiede in der Oberfläche weniger sieht und feine Haarrisse, die putzbedingt nicht zu vermeiden sind, überdecken.
Sliconharzemulsionsfarben sind die jüngste Entwicklung der Farbgattungen. Durch die hohe Wasserdampfdurchlässigkeit, deren Wert zwischen der Silikatfarbe und den Dispersionsfarben anzusiedeln ist, und den Vorteil, daß sie auf alten Dispersionsfarben gestrichen werden kann, eignen sich Siliconharzemulsionsfarben hervorragend für die Sanierung von Putz- und Stuckfassaden.

Der ausführende Maler muß eigenverantwortlich den Untergrund und die Fassadenkonstruktion auf Mängel prüfen. Das sind insbesondere:

Durchfeuchtungen aus dem Untergrund
Feuchte der Baustoffe (Putz und Stuck)
Ausblühungen
Fugendichte im Bereich der Putzanschlüsse zu Einbauten wie Fenster und Zinkbleche
Ausreichende Zinkblechabdeckungen
Haftfestigkeit des Putzes am Mauerwerk
Tragfähigkeit des Altanstriches

Nach der mängelfreien Herstellung der Putz- ,Stuck- und Klempnerarbeiten müssen noch einige Vorarbeiten vor Aufbringung des Beschichtungsmaterials durch den Maler erfolgen, wobei die ersten drei Punkte auch vom Stukkateur ausgeführt werden können, was allerdings in der Leistungsbeschreibung vor Beginn der Arbeiten festgelegt werden muss.

Entfernen alter, nicht mehr tragfähiger Anstriche
Reinigen von alten Fassadenflächen
Ggf. Schließen bzw. Ausspritzen der Fugen mit geeigneten, anstrichverträglichen Material
Spachteln kleinerer Fehlstellen (gem. DIN-Norm)
Fluatieren von Neuputzflächen
Vorbehandlung der Gipsstuckteile mit geeigneten Mitteln zur Verhinderung von Feuchtigkeitseindringungen.

Gerade die letzten drei Punkte werden vom Maler selten oder nur unzureichend ausgeführt, obwohl die meisten Herstellervorschriften dies vorschreiben.
Sind diese Vorarbeiten durchgeführt wird die Fassade mit dem zum Farbsystem passenden Grundierung grundiert. Danach erfolgt ein mindestens zweimaliger Farbauftrag.
Bei allen Materialverarbeitungen sollte unbedingt von der Grundierung bis zum Schlußanstrich nach Herstellervorschrift gearbeitet werden und Material nur eines Herstellers verwendet werden.



Beschichtungssysteme für Fassaden

Fassadenbeschichtungen haben neben ihrer Funktion, das Bauwerk vor schädlichen Einflüssen wie Sonne, Regen und Schadstoffen aus der Luft zu schützen, auch gestalterische Funktionen hinsichtlich Struktur und Farbe zu übernehmen.
Je nach Farbsystem können sich Farbtonveränderungen und unschöne Fleckenbildung an der Beschichtung ergeben, deren natürliche Ursache in dem verwendeten Bindemittel, des vorhandenen Untergrundes sowie der Umwelteinflüsse liegen.

Es werden im wesentlichen vier Bindemittelgruppen unterschieden, die bei Fassadenfarben und bei Fassadenputzen zum Einsatz kommen:

organische Bindemittel auf Basis von wässrigen Dispersionen
Siliconemulsionen bzw. Siliconharzemulsionen mit organischen Anteilen
anorganische Bindemittel auf Basis Kaliwasserglas (Silikatfarben und Silikatputze sind fast immer mit geringem organischen Anteilen versetzt)
Bindemittel auf Basis Kalk und Zement, bei werkseitig hergestellte Materialien (insbesondere Farben und dünnschichtige Putzen) oftmals mit organischen Bindemitteln vergütet

Die Vorteile der organischen Bindemitteln liegt in dem breiten gestalterischen Spektrum, da sie aufgrund ihres Trocknungs- und Härtungsverhaltens in den meisten Fällen nicht zu einem ungleichmäßigen Auftrocknen führen. Dagegen muss bei anorganischen Bindemitteln immer mit einem ungleichmäßigen Auftrocknen gerechnet werden, welches zu einer Flecken- und Wolkenbildung führen kann. Diese Flecken stellen aber aufgrund der Eigenschaften des Bindemittels keinen technischen Mangel dar.
Die nachfolgend aufgeführten Anforderungen muss ein Beschichtungssystem erfüllen:

geringe Wasseraufnahme
hohe Wasserdampfdurchlässigkeit
gute Haftung am Untergrund
Wasserfestigkeit und Wetterbeständigkeit
Beständigkeit gegenüber Umwelteinflüssen
Lichtechtheit und UV-Beständigkeit
Wasserabweisung

Fassadenbeschichtungen sollen die Untergründe vor Feuchtigkeit schützen. Der Feuchteschutz ist deshalb die wichtigste bauphysikalische Größe. Der Schutz der Bausubstanz vor Wasser wird nach DIN EN 1062-3 (Beschichtungsstoffe - Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für mineralische Substrate und Beton im Außenbereich) mit der Wasserdurchlässigkeitsrate w angegeben. Je kleiner diese ist, um so besser ist die Schutzwirkung.

In der Regel ist die Raumtemperatur eines Bauwerkes in unseren Breitengraden höher als die Außentemperatur. Dadurch entsteht ein Dampfdruckgefälle, das sich durch Diffusion auszugleichen sucht. Deshalb darf eine Fassadenbeschichtung den Wasserdampf aus dem Gebäudeinnern nicht aufhalten, da es sonst zu einer Blasenbildung kommen kann und die Beschichtung abgedrückt wird. Aus diesem Grund muss die Beschichtung wasserdampfdurchlässig sein. Neben dem Feuchteschutz gegen Wasser von Außen ist die gleichzeitig geforderte Wasserdampfdurchlässigkeit die zweite entscheidende bauphysikalische Größe für eine Beschichtung. Nach EN ISO 7783-2 wird sie mit der Wasserdampf-Diffusionsstromdichte oder dem sd-Wert (Wasserdampf-diffusionsäqualente-Luftschichtdicke) angegeben. Je kleiner der sd-Wert ist, desto höher ist die Wasserdampfdurchlässigkeit.

Für die Verwendung eines Farbsystems müssen auch die weiteren Punkte berücksichtigt werden:

Art und Technik des vorhandenen Untergrundes bzw. vorhandenen Anstriche
Ästhetischer Anspruch an den neuen Anstrich
Verträglichkeit mit dem Untergrund bzw. vorhandenen Farbschichten
Verwitterungsbeständigkeit und Dauerhaftigkeit
Wiederentfernbarkeit und Überstreichbarkeit

Fassadenbeschichtungen werden mittels Farbpigmenten eingetönt. Dabei unterscheidet man zwischen organischen und anorganischen Pigmenten, die natürlichen oder synthetischen Ursprungs sein können. Ihre Einsatzmöglichkeit ist abhängig von der Bindemittelbasis der Farbe. Anorganische Farbpigmente haben den Vorteil, das sie eine sehr hohe Licht-, Alkali- und Wetterbeständigkeit aufweisen. Der Nachteil liegt in ihrem hohen Verkaufspreis sowie dem schlechten Deckvermögen. Außerdem wirken sie gegenüber den organischen Farbpigmenten "schmutziger" und fallen blasser aus. Sollten farbenfrohe Fassaden mit besonderen Gestaltungswünschen erforderlich sein, so sind Beschichtungen mit organischen Pigmenten erforderlich, da sich Dispersionsfarben in fast allen Farbtönen einfärben lassen. Bei anderen Bindemitteln ist das Spektrum an Farbtönen begrenzt. So gibt es für Silikatfarben (anorganische Bindemittel auf Basis von Kaliwasserglas) andere Farbtonkarten als für Dispersionsfarben (organische Bindemittel). Insbesondere die führenden Putz- und Farbhersteller haben in den letzten Jahren eigene Farbsysteme entwickelt und als Grundlage ihrer Produkte auf den Markt gebracht. Vorteil der herstellerspezifischen Systeme ist, dass alle Farben wirtschaftlich mit den Pigmenten der Hersteller in den angebotenen Qualitäten realisiert werden können und bereitstehen. Dagegen kommt die Funktion des Gestaltungsinstruments mit unmittelbar nachzuvollziehenden Verwandtschaftsverhältnissen der Farben manchmal etwas zu kurz. Teilweise sind die Farben dieser Systeme zusätzlich zur eigenen Codierung auch mit den Mess- bzw. Berechnungswerten der herstellerunabhängigen Systeme NCS und RDS codiert, um Kompatibilität zu gewährleisten. Problematisch daran ist, dass sich die Mess- und Berechnungswerte nicht auf Standardfarben dieser Systeme beziehen und die Farben somit nicht einfach austauschbar sind, sondern speziell rezipiert werden müssten.

Farbtonveränderungen treten hauptsächlich durch UV-Strahlung, vor allem in Verbindung mit Feuchtigkeit bei organischen Farbpigmenten auf. Die Pigmente werden chemisch zersetzt und bieten keinen ausreichenden Schutz mehr. Durch schlechte Klimabedingungen sowie mangelhafte Arbeiten anderer Gewerke am Bauwerk sowie Detailfehler in der Planung, wie z.B. zu geringer Blechüberstand, können Schäden verstärkt werden. Anorganische Farbpigmente neigen nicht so stark zu den vorgenannten Eigenschaften. Auf Westfassaden sind Anstriche im allgemeinen noch gefährdeter als auf Südfassaden, weil sie dort im Jahresmittel einem direkteren Sonneneinstrahlwinkel ausgesetzt sind. Wird ein Farbanstrich mit Weißpigmenten aufgehellt, neigt er eher zum Ausbleichen. Alle Beschichtungsstoffe sind heute von Herstellerseite auf ihre Lichtbeständigkeit optimiert.

Kreidende Flächen erscheinen heller. Sie ähneln der Verblassung einer mangelnden Pigment-UV-Beständigkeit. Durch Bindemittelabbau wird der Schutz der Pigmente reduziert. Dies führt zu einem verstärkten Abbau bzw. Auswaschung der organischen Farbpigmente. Eine Kombination von anorganischen und organischen Farbpigmenten kann dabei zu einer deutlichen Farbtonverschiebung führen. Bei schwach gebundenen Beschichtungssystem (sog. Füllfarben, Silikatfarben, Siliconharzfarben) ist die Kreidungsneigung wesentlich stärker als bei höher abgebundenen Beschichtungssystemen wie Dispersionsfarben oder organisch gebundene Putzen. Überpigmentierung von Farben und Putzen, Verarbeitungsfehler (zu starke Verdünnung, Aufbrennen der Beschichtung) oder Alkalität aus dem Untergrund begünstigen auch bei höher gebundenen Anstrichstoffen eine frühzeitige oder verstärkte Kreidung.

Bei Bindemitteln, die zur Vergilbung neigen, können ebenfalls Farbtonverschiebungen auftreten. Eine Vergilbung wird durch UV-Belastung wesentlich beeinflusst. Sie kann sich nicht nur bei den Pigmenten, sondern auch beim Bindemittel bemerkbar machen.
Ebenfalls werden alle Beschichtungen, ganz gleich ob organisch oder anorganisch, in ihrem Farbton aufgrund der Umwelteinflüsse wie saurer Regen, Staub, Schmutz, Ruß etc. verändert.

Alkalität aus dem Untergrund kann den chemischen Abbau von organischen Pigmenten beschleunigen. Ebenfalls können Ausblühungen und Auswaschungen Farbtonveränderungen, wie z.B. helle Schleier, verursachen. Calciumcarbonat-Ausblühungen aus mineralischen Produkten (z.B. aus den einzelnen Putzschichten) erscheinen als hellere Flecken. Diese Tatsache resümiert aus den verwendeten Bindemittel und stellt keinen Mangel dar. Bei den Calciumcarbonat-Ausblühungen ist es möglich, dass diese kurz nach der Fertigstellung oder erst nach Monaten auftreten können.


Abschließend kann man festhalten, dass sich jeder Fassadenbeschichtungsstoff aufgrund der äußeren Einflüsse sowie des Untergrundes verändert. Diese Veränderungen kann man jedoch minimieren, wenn man ein dem Bauwerk und der äußeren Einflüsse angepasstes Beschichtungssystem mit Hilfe eines Fachmannes und der Herstellerfirma wählt und dieses System auch fachgerecht verarbeitet wird. Gerade in schlechten Konjunkturzeiten gibt es erhebliche Preisunterschiede bei der Ausführung der Malerarbeiten. Da es heutzutage qualitativ sehr gute Farben gibt, die oftmals mit einem Anstrich schon decken, ist trotzdem unbedingt ein zweiter bzw. ein dritter Anstrich erforderlich, damit die erforderlichen Schichtdicken der Farbe erreicht werden und somit seine Hauptfunktion, den Schutz des Untergrundes und des Bauwerkes erfüllen können. Gleichzeitig sollten auch noch begleitende Arbeiten erfolgen, insbesondere der Schutz gegen Feuchtigkeit, um weitere Schäden zu verhindern.

Die Tabellen Anwendungen von Farbbeschichtungen sowie Anwendung von Anstrichsystemen gibt eine grobe Übersicht, welches Farbsystem zu welchen Untergrund passend ist und wie man dieses System bei einer Renovierung überstreicht. Das endgültige Farbsystem sollte man aber erst nach einer Begutachtung vor Ort mit einem Fachmann festlegen.



Kleine Farbkunde

Silikatfarbe

Silikatfarben sind wasserverdünnbare, stark alkalische Anstrichstoffe auf Basis von kieselsäurereichen Kaliwasserglas. Aufgrund ihrer hohen Wasserdampfdurchlässigkeit eignen sie sich besonders für mineralische Untergründe, beispielsweise für Putze mit einer hohen Wasserdampfdurchlässigkeit. Wegen des Bindemittelgehaltes nennt man sie auch Wasserglasfarben. Aber auch unter dem Namen Mineralfarben sind sie bekannt, da sie ursprünglich nur mit natürlich vorkommenden mineralischen Pigmenten hergestellt worden sind.
Im Gegensatz zu den Dispersionsfarben verkleben Silikatfarben nicht mit oder auf dem Untergrund, sondern gehen mit ihm eine chemische Verbindung ein, die auch als Verkieselung bezeichnet wird. Darin liegt auch ein Nachteil der Silikatfarbe. Sollte die Farbe später entfernt werden, muss gleichzeitig auch die obere Putzschicht mit abgeschlagen werden. Durch die CO2-Durchlässigkeit eignen sich Silikatfarben auch für carbonatisch gebundene Mörtel. Bei der Verwendung von Silikatfarben muss man darauf achten , dass der Untergrund gründlich gereinigt wird, alte Dispersionsfarbanstriche entfernt werden, eine gute Haftung besitzt und genügend rauh ist. Ebenso sollte der Untergrund durch fluatieren (Anätzung) vorbereitet werden. Dies ist notwendig, damit die Silikatfarbe ausreichend in die Poren des Untergrunds eindringen kann und sich somit mit dem Untergrund verkieselt. In der Silikatfarbe sind keine organischen Bestandteile enthalten.
Silikatfarben sind absolut lichtecht und wetterfest, äußerst wasserdampfdurchlässig und unempfindlich gegen schwefelhaltige Abgase. Sie erscheinen matt aber leuchtend. Die Farbpalette ist auf wasserglasbeständige, anorganische Pigmente und somit auf die eher gedämpfte Farbigkeit historischer Architektur beschränkt. Silikatfarben sind deshalb die Farben der Denkmalpflege. Je nach Auftrocknung sind Farbtonschattierungen möglich und stellen deshalb keinen Mangel dar.
Die Silikatfarben sind in der DIN 18363 geregelt.



Dispersionssilikatfarbe

Dispersionssilikatfarben enthalten im Gegensatz zu reinen Silikatfarben neben dem Bindemittel Kaliwasserglas, alkalibeständigen Pigmenten und Hydrophobierungsmitteln noch maximal 5 Massen% organische Bestandteile (bezogen auf den Feststoff) in Form von Kunststoffdispersionen. Dispersionssilikatfarbe, deren organische Komponente aus Silikonharz besteht, erreichen eine höhere Wasserabweisung, vergleichbar mit Dispersionsfarben und zählen zu den wasserdampfdurchlässigen Anstrichsystemen mit anorganischen, mineralischen Bindemitteln.



Siliconharzfarbe

Siliconharzfarben werden oftmals auch als Siloxanfarben bezeichnet, da diese Farben Bindemittel aus Siloxanen und Acrylharz besitzen. Aufgrund ihres Aufbaus verdunsten diese Farben nur langsam. Dies bewirkt, dass sie auf bzw. in dem Baustoff so lange verbleiben, bis günstige Reaktionsbedingungen für die Bildung des Siliconharzes eintreten. Nach dem verdampfen des Lösemittels entsteht ein dünner Film. Als Grundierung für Siliconharzfarben werden Siliconharzlösungen verwendet.
Siliconharzfarben sind Wasser abweisend und besitzen eine hohe Gas- bzw. Wasserdampfdurchlässigkeit. Sie können auf allen mineralischen Putzen sowie auf vielen anderen Farben aufgetragen werden.



Siliconharzemulsionsfarbe

Wird Wasser mit Siliconharz gemischt, so entsteht eine Siliconharzemulsion. Verdampft das Wasser, so bleibt das Siliconharz zurück. Obwohl Siliconharzemulsionsfarben meist geringe Mengen an Kunststoffdispersionen zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit enthalten, sind sie dennoch mikroporös und sehr gut wasserdampfdurchlässig. Sie sind nicht filmbildend und können auf allen mineralischen Putzen sowie auf die meisten anderen Farben aufgetragen werden. Als Grundierung werden Siliconharzlösungen (Siloxane) verwendet.

Nicht zu verwechseln sind die Siliconharzemulsionsfarben mit den Siliconharzfarben, da diese im allgemeinen Sprachgebrauch oftmals so bezeichnet werden. Der Unterschied liegt darin, dass Siliconharzemulsionsfarben in Wasser, während Siliconharzfarben in Lösemittel gelöst sind.
Siliconharz- und Siliconharzemulsionsfarben sind die modernste Produktgattung für Außenanstriche. Sie vereinen die positiven Eigenschaften von mineralischen wie dispersionsgebundenen Beschichtungsstoffen. Das bedeutet, dass sie wie Dispersionsfarbe ausgesprochen wasserabweisend (schlagregendicht), aber wie Silikatfarben gleichzeitig ausgesprochen wasserdampfdurchlässig (atmungsfähig). Sie sind nicht nur wetterbeständig, sondern auch resistent gegenüber Luftschadstoffen. Ihre schmutzabweisende Wirkung macht sie extrem lange haltbar. Lediglich die Farbpalette ist etwas eingeschränkt.



Dispersionsfarben

Dispersionsfarben sind in der DIN EN 971-1 Kunststoff-Dispersionsfarben reglementiert.
Dispersionsfarben enthalten als Bindemittel eine Kunststoffdispersion, beispielsweise Polyvinylacetat, Polyvenylpropionat oder Styrol/Acrylat in Wasser. Die Verfestigung geschieht nicht durch Reaktion, sondern nur durch eine Filmbildung nach Verdampfen des Wassers.
Als Grundierung werden organische Harzlösungen oder Kombination mit Siliconharz verwendet.
Anstriche mit Dispersionsfarben haben weitgehend zuerst die Kalk-, dann - mit zunehmender Verbilligung ab ca. 1967 - auch die Leimfarbenanstriche abgelöst. Ursprünglich waren die Dispersionsfarben eine zur Einsparung von Rohstoffen ab 1945 entwickelte Beschichtungsstoffgruppe, haben dann allerdings zahllose "klassische" Beschichtungsstoffe verdrängt. Angewendet werden die Dispersionsfarben in erster Linie auf Putz, Mauerwerk, Beton (alle Arten), Leichtbauplatten, jedoch auch auf Holz, Pappe, Tapete und Textilien. Nach entsprechender Grundierung können Dispersionsanstriche auch auf Aluminiumlegierungen ausgeführt werden, auf Zinkblech auch ohne Grundierung. Dispersionsfarben sind, da man sie mit Wasser verdünnen kann, sehr wirtschaftlich, wetterbeständig, Alterungsbeständig und besitzen eine gut Haftung zum Untergrund.
In der Vergangenheit wurden Dispersionsfarben aufgrund des geringen Preises sowie der leichten Verarbeitbarkeit häufig angewendet, leider aber auch dort, wo sie als Anstrichsystem nicht geeignet waren. Das führt nun zu teilweise erheblichen Schäden aufgrund der Verwendung eines falschen Farbsystems. Da die Wasserdampfdurchlässigkeit bei Dispersionsfarben nur eingeschränkt bzw. gar nicht vorhanden ist, ist die Verwendung bei Kalkputzen nicht geeignet, da Kalk zum Abbinden Kohlendioxid aus der Luft benötigt.
Es gibt kaum einen Untergrund, der nicht durch Dispersionsfarbenanstriche geschützt werden kann. Durch entsprechende Einstellung der Konsistenz der Anstrichstoffe sowie mit "gefüllten" Spezialerzeugnissen kann man sowohl völlig glatte als auch stark strukturierte Anstriche erzielen.




Polymerisatharzfarbe

Polymersatharzfarben sind lösemittelhaltige Dispersionsfarben. Das Bindemittel ist meist eine Acrylharz- oder Vinylacetlösung. In Kombination mit Siloxanen haben sie wasserabweisende Eigenschaften. Außerdem erhöht der Siloxan-Zusatz die Wasserdampfdurchlässigkeit. Dagegen sind sie nur gering durchlässig für Kohlendioxid. Als Grundierung für Polymerisatharzfarben werden organische Harzlösungen oder Kombination mit Siliconharz verwendet.
Prinzipiell können Polymerisatfarben auf fast allen mineralischen Putzen sowie auf anderen Farben aufgetragen werden. Sie gelten auch als Problemlöser auf durch Ruß oder Industrieabgase verschmutzten Außenputzen oder auf Putzen, die wasserlösliche Verunreinigungen enthalten. Aufgrund des Lösemittelgehaltes sind sie nicht geeignet für Putzsysteme aus Leichtputz und Wärmedämmputz.



Kalkfarbe

Die Kalkfarben und Kalkschlämmen stellten bis zum Beginn des 20.Jahrhunderts das führende Anstrichsystem im Außenbereich dar. Erst als die Silikatfarben zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfunden wurden, verringerte sich seine Bedeutung. Kalkfarben besitzen eine enorme Leuchtkraft, die mit modernen Farben nicht zu erreichen sind. Charakteristisch für Kalkfarben sind ihre Veränderung der Farberscheinung durch Nachdunkeln, Transparenzintensivierung und Verwitterung. Verwitterung und Veränderung gehören zum Kalk, machen aber auch den Charme desselben aus und zugleich Alterung und Vergänglichkeit sichtbar. Aus diesem Grund werden Kalkfarben heute oftmals in der Denkmalpflege angewandt. Die besondere vorteilhafte Eigenschaft der Kalkfarbe besteht in ihrer Reversibilität und problemloser Überstreichbarkeit. Kalkfarben bestehen nur aus gelöschtem Kalk. Durch Einwirkung von Kohlendioxid (CO2) der Luft findet die Carbonatisierung zu Calcit statt. Sie wirken pilztötend und sind sehr wasserdampf- und sauerstoffdurchlässig, können aber bei Beregnung vorübergehend dunkel und fleckig werden.
Schon in früheren Bauepochen wurden der Kalkfarbe zur Verbesserung der Verarbeitungseigenschaften und zur Verbesserung der Eigenschaften immer organische Zusätze wie Casein, Blut, tierische Leime oder Leinöl hinzugegeben. Ferner wurden Füllstoffe wie gemahlener Kalkstein, Marmor oder Quarz hinzugegeben. Reine Kalkfarbe wird heute aufgrund der Umweltbelastungen, bei denen sich der Kalk mit schwefeligen Anteilen der Luft (Abgase) verbindet und zu Gips verwandelt sowie der mangelnden Frostbeständigkeit kaum noch verarbeitet. Durch Zusätze von Kunststoffdispersionen, die 5 Massen% nicht überschreiten dürfen entsteht eine Kalk-Dispersionsfarbe. Sie zählt zu den Anstrichsystemen mit anorganischen, mineralischen Bindemitteln. Allerdings kann die Zugabe von Kunststoffdispersionen die optischen und technischen Eigenschaften verändern.



Leimfarben

Leimfarben bestehen aus wasserlöslichem Malerleim (Celluloseleim), der gleichzeitig als Bindemittel für die Pigmente, gegebenenfalls auch Füllstoffe, und als Haftmittel zum Untergrund fungiert. Da die Leimfarben auch nach dem Trocknen wasserlöslich und feuchtigkeitsempfindlich bleiben, eignen sie sich nur für Innenanstriche. Die Wasserlöslichkeit ist auch der Vorteil der Leimfarben. Sie sind anlösbar und lassen sich dadurch sehr leicht wieder abwaschen.
Die kleisterartig durchscheinende Masse erzeugt eine eher matte, sehr helle, duftige Farbigkeit. Leimfarben werden auf Innenwänden und an der Decke, auf Putz, Beton, Kalksandstein, Gipskarton, Rauhfasertapeten usw. eingesetzt und sind leicht bearbeitbar.
Das Bindemittel Leim wird in drei große Gruppen eingeteilt, in tierische, Pflanzliche und Cellulose Leime.
Leimfarben sind in der DIN 55945 geregelt.

Es gibt Funde mit Leimfarben, die man auf 3.300 Jahre v.Chr. zurückdatiert. Auf Steinreliefs und ägyptischen Grabstätten wurden tierische Leime zur Ausmalung von Ornamenten verwendet. In der römischen Zeit wurde Leim zusammen mit Eiern, Milch, Pflanzensäften und Gummi als Bindemittel erwähnt. Im Mittelalter wurde oft die Herstellung und Verwendung von Leim in der Maltechnik beschrieben. In Europa begann die industrielle Herstellung von Leimfarben Ende des 17.Jahrhunderts. Doch bevorzugte man zu dieser Zeit mehr Kalkfarben, da Kalkfarben eine enorme Leuchtkraft besitzen und somit den damaligen Geschmack von sehr starker farbiger Ausmalung der Innenräume trafen. Ab 1935 lösten die Leimfarben die traditionellen Kalkfarben ab.



Kurzübersicht Stilepochen Fassadenfarbe

Jede Epoche hat seine eigene Stilrichtung. Dazu gehört auch die Verwendung von Farbe am Baukörper. Für die Restaurierung historischer Fassaden bietet sich die historisch authentische, bis ins späte 19.Jahrhundert auf natürliche mineralische Pigmente beschränkte Farbigkeit oder eine zeitgemäße Interpretation mit modernen Mitteln an. Historische Architektur ist von der Fassade als Schauseite gekennzeichnet, moderne Architektur formt Baukörper als Gesamtheit und in raumgreifenderen Dimensionen.
Zeitgemäße Altbaugestaltung sieht die Fassade als Gesamtheit, bevorzugt deshalb eher eine homogene als eine zergliedernde Farbigkeit.

Stilepoche Zeit Merkmale
Mittelalter 900 - 1500 Meist kräftige, gesättigte Farben, zum Teil starke Hell-Dunkel-Kontraste
Renaissance 1500 - 1600 Gegenüber dem "finseren Mittelalter" buntere aber noch gedeckte, gebrochene Farben: Weiß und helles Gelb ebenso wie Blaugrau, Grüngrau und Grau, kräftiger Im Norden und heller im Süden. Steinfarben
Barock 1650 - 1750 Bunte Farben, kräftige wie leichte sowie Weiß. Gelbe bis rote Fassaden mit grauen Gliederungen, weiße Fassaden mit farbigen Gliederungen. Tiefer liegende Fassadenelemente dunkler, höhere und tragende Elemente heller. Aufgemalte Fassaden. Farbpläne für Städte.
Rokoko 1750 - 1790 Stärkere, sehr differenzierte Aufhellung aller bunten Farben, verspielte Farbigkeit.
Klassizismus 1770 - 1830 In Fehlinterpretation der antiken griechischen Farbigkeit: Weiß und schwach bunte Farben (Graumalerei) und materialpuristische Steinarchitektur für Repräsentationnsbauten. Kräftiges Rot mit grünem Akzentkontrasten (Fenster/Türen usw.) für Bürgerhäuser.
Historismus 2.Hälfte 19. Jh. Die schwach bunten Farben wandeln sich allmählich zu schweren stumpfen und dunklen bunten und unbunten Farben.
Jugendstil 1895 - 1905 Zurückhaltende, natürliche Farben floralen Ursprungs.
20. Jahrhundert
/Moderne)
  Vollständige Entfärbung. Die konstruktivistische Form des Bauhauses ist bis heute farblos Weiß. Allenfalls Grundfarben für konstruktive Elemente. Zyklische Farbwellen mit weiß aufgehellten Farbtönen in den Fünfzigern und Erd- und Blütentönen in den Siebzigern (Beige, Braun, Orange).


Moderne Architekturfarben

Nicht mehr die dekorative Schaufassade, sondern der Baukörper und die Konglomeration von Baukörpern oder Bauelementen bestimmen die moderne Architekturgestalt. Deshalb geht es heute nicht mehr um das Dekorieren von Fassaden. Farben erscheinen in der moderen Architektur nicht mehr als Flächenanstrich, sondern als miteinander in Bezug tretende Farbkörper oder Farbelemente.
Das verlangt Farben, die körperliche Wirkung entfalten können. Farben, die Materialassoziationen auslösen (so wie beispielsweise Orangerot an Ziegelstein erinnert) oder Farben, die aus sich selbst Materialität und Körperhaftigkeit entfalten. Dies können nur kräftige und warme, wenig getrübte und klare Farben.



Untergrundeignung von Anstrichsystemen

Unter-
grund
Kalk-
farbe
Reinsilikat-
farbe
Silikonharz-
farbe
Dispersions-
farbe
Dispersions-
silikatfarbe
Polymerit-
harzfarbe
Bermerkungen
P I a, b X            
P I c X X X   X    
P II a X X X X X   Mineralfarben auf Kaliwasserglasbasisis in Verbindung mit einer Hydrophobierung
P II b X X X X X X Silikatfarbanstrich in Verbindung mit einer Hydrophobierung
P III X X X X X X Dispersionssilikatfarben in Verbindung mit einer Hydrophobierung
P IV a, b     (X) X (X)   (x) Dispersionssilikatfarbe und Siliconharzfarbe nur in Verbindung mit wäßriger Grundierung
P IV c, d X   X X X    
P Org. 1     X X   X Bei Polymerisatharzfarben besteht durch den hohen org. Lösungsmittelanteil die Gefahr der Anlösung des Deckputzes
P Org. 2     X X      
Sichtbeton X X X X X X  
Stahlbeton         X X Zum Schutz der Bewehrung eignen sich nur Anstriche mit einer hohen CO2-Dichtigkeit
KS- Sicht-
mauerwerk
X X X X X X  
Zement-
gebundene Faser-
platten
        X X  
Naturstein   X X       Bei Reinsilikatfarben mit nachträglicher Hydrophobierung
Lehmziegel X           Mit Alaunzusatz lasierender Charakter
Klinker   X X   X    
Sanierputze     X   X    
Porenbeton       X     Gefüllte Dispersionsfarben sind zu verwenden



Anwendung von Farbbeschichtungen

Nr. Anstrichstoff Bindemittel Lösungs-/ Verdünnungs-
mittel
Empfohlene Grundierung Überstreich-/ Renovierbarkeit Bevorzugtes Einsatzgebiet
1 Reine Silikatfarbe Kaliumsilikat / Wasserglas Wasser Kaliumsilikatlösung mit Nr. 1,2,3,4,5 und 6 Sandstein
Naturstein
Mineralputz
2 Silikat- dispersionsfarbe Kaliumsilikat/ Dispersion Wasser Kaliumsilikatlösung mit Nr. 2,3,4,5 und 6 Mineralputz
Ziegel
Sandstein
3 Dispersionsfarbe Kunststoffdispersion Wasser Organische Harzlösung mit oder ohne Silikon mit Nr. 3 und 4 Sichtbeton
Mineralputz
Kunstharzputz
Ziegel
Kalksandstein
4 Polymeritharz- farbe Polymeritharz- farbe Organische Lösungsmittel Organische Harzlösung mit oder ohne Silikonharz mit Nr. 3 und 4 Sichtbeton
Mineralputz
Kunstharzputz
Ziegel
Kalksandstein
5 Siliconharzemul- sionsfarbe Siliconharzemulsion/ Kunststoffdispersion Wasser Siliconharzlösung mit Nr. 3,4,5 und 6 Sandstein
Naturstein
Mineralputz
Kalksandstein
Kalkanstriche
Kalkputze
6 Siliconharzfarbe (Siloxan) Siliconharz/ Acrylharz Organische Lösemittel Siliconharzlösung mit Nr. 3,4,5 und 6 Sandstein
Naturstein
Sichtbeton
Mineralputz
Ziegel
Kalksandstein