Stilepochen

Kurzübersicht der Stilepochen

Stilepoche Zeit Merkmale
Griechische Antike 6.Jh. -3. Jh. v.Chr.
Romanik 9000 - 1250 Gedrungene, wuchtige Baukörper
Rundbogen
Würfelkapitelle der Säulen
flache Wandpfeiler zur Gliederung der Wände
Gotik 1250 - 1500 Aufsteigende, in die Höhe strebende Linien
hohe, steile Dächer
Auflösung der Mauern durch hohe, breite Fenster mit Spitzbogen und Stabwerk
Reich geschmückte Ziergiebel und Kapitell der Säulen und Pfeiler
Renaissance 1500 - 1600 Großartigkeit der Bauform
Gliederung durch Gesimse, Pilaster, Obelisken, Voluten
Spiralförmige Vermitlungsglieder
Muschelaufsätze
Barock 1650 - 1750 Weiterentwicklung des Renaissancestils
vorwiegend Kurven
reiche Ornamentik, Kartuschen, Stuckdekorationen
Roll- und Bandwerk
Vasen- und Putten
Rokoko 1750 - 1790 Rocaille, verzogene Muschel,
ansonsten wie Barock
Klassizismus 1770 - 1830 Nachbildung griechisch-römischer Architektur
Jugendstil 1895 - 1905 Kein eigentlicher Baustil
Begann in der Malerei und Grafik, ging über aug Geschirr und Möbel; zögernd auf Fassaden
Seine Handschrift drückt sich in Kurven aus




Griechische Antike (ab ca. 6. Jh. - 3.Jh. v.Ch.)

Die griechische Antike, die mit dem Untergang der mykenischen Architektur einsetzte und im Hellenismus bis in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte reichte, erlebte eine solche zivilisatorische Verfeinerung in allen Bereichen, dass man ohne weiteres von der ersten kulrturellen Hochblüte des Abendlandes sprechen kann. So entwickelte sich mit der Polis ein Regierungssystem, das gemeinhin als Vorläufer demokratischer Formen bezeichnet wird, und dessen wesentlichen Merkmale in der Bedeutung zu sehen ist, die dem Individuum in seiner Gesellschaft beigemessen wird. Der Mensch strebe, so lehrte Platon, nach dem Guten, das er in sich trage und das auch seine Umwelt präge. Ein ähnlicher gedanklicher Ansatz kennzeichnete die Ästhetik der griechischen Antike, die den Menschen zum Maß der Dinge erklärte, weshalb Kunsthandwerker und Baumeister aus der Beobachtung der menschlichen Anatomie ideale Proportionen ableiteten, die sich auf Bauwerke, Plastiken und Malereien übertrugen. Die von ihnen in der Natur gefundenen Gesetzmäßigkeiten und die daraus abgeleiteten ästhetischen Regeln über Harmonie haben durch die Jahrhunderte bis heute Gpültigkeit behalten. In analogie zu den mathematischen Grundsätzen des Phytagoras oder zur Staatslölehre von Platon beschreiben sie das ausgewogene Verhältnis des Einzelnen zum Ganzen, aus dem Schönheit und Voillkommenheit erwachsen. Am sichtbarsten hat sich die Kunst der griechischen Antike in der Architektur erhalten und zwar (wie in fast allen Kulturen) in der Sakralarchitektur.: Großartige Tempelanlagen wie des Deolphischen-Orakel-Heiligtums oder der Athener Akropolis bezeugen neben der handwerklichen Qualifikation der Baumeister vor allem ihre gestalterische Raffinesse. Denn erst durch die aiuf die optische Wirkung ausgerichtete Fassaden erhielten die Kolosalbauten ihre heitere Leichtigkeit und in sich ruhende Geschlossenheit, mit der sie vilele nachfolgende Kunstepochen beeinflußt haben. Aus heutiger Sicht ist diese Untersuchung und Abstimmung feinster Gestaltungsmerkmale umso interessanter, als das Tempelanlagen Priesertn und der herschenden Schicht vorbehalten waren und mithind lediglich in der Fernsicht von der Bevölkerung wahrgenommen werden konnte. Diese Tatsache trägt die extruvertierte Ausschmückung der Bauwerke Rechnung, denn während das Tempelinnere traditionell einfach gehalten war, wurden die Fassaden mit dekorativem Baudekor und Reliefskulpturen ausgestattet. Über farbliche Gestaltung und Ausmahlung der Tempel ist relativ wenig bekannt, doch finden sich einige aus der flächigen Ornamentik übernommene Gestaltungselemente in Reliefform an den Tempelfassaden wieder, so etwa das Eierstabmotiv. Reiche Beispiele für das bildnerische Können dieser Zeit finden sich dagegen im Kunsthandwerk und hier vor allem in der Keramik: Teller und Vasen wurden mit szenischen Bildern, vor allem aber mit variantenreichen Ornamenten geschmückt.
Die Profanarchitektur kam im Hellenismus zur vollen Blüte, jener Epoche, die auf die klassische folgte. Mit der Eroberung des Perserreiches durch Alexander des Großen und der Einnahme von Persepolis (334 v.Vhr.) setzte die Periode des Hellinismus ein, die von der griechisch-römischen Kultur aufgenommen wurde. Der Hellinismus zeichnet sich im Vergleich zur klassischen Epoche durch das vermehrte Aufnehmen orientalischer Einflüsse aus, die sich infolge der gewaltigen Gebieterweiterung der griechischen Kultur nach Osten und der kosmopolitischen Haltung Alexanders des Großen auswirkten. Sie machten sich zunächst in Philosophie und Wissenschaft, bald aber auch in Kunst und Architektur bemerkbar. In der baukunst wurde zunehmend der Innenraum als gestalterische Aufgabe entdeckt, was dazu führte, das nun verstärkt Wert auf Mosaike, Fresken, Kassettendecken und Baudekor gelegt wurde.
Die hohe Wertschätzung der griechischen Kunst und Kultur fand ihren Ausdruck in den Adaptionen durch die römische Kunst (1.Jh. n.Chr. - 3. Jh. n.Chr.). Sie fand aber auch ihren Niederschlag in der Renaissance, jener "Wiedergeburt der Antike", die im 14.Jh. in Italien aufkam uns sich über ganz Europa ausbreiten sollte. Im 18. und 19. Jh. erlebte sie eine modische Wiederbelebung durch den Klassizismus, der sich auf klassische Architekturformen besann, und nicht zuletzt griffen auch die Architekten des 20.Jh. , etwa in der Postmoderne der 80er Jahre, auf die Formensprache der griechischen Antike zurück.




Romanik ( 1000-1250 )

Der Stilbegriff "romanisch" wurde 1818 von dem franztösischen Historiker de Gerville geprägt. Mit dem Begriff romanische Architektur formulierte er eine wichtige Erkenntnis: Die mittelalterliche Architektur entsteht auf der Grundlage der römischen Architektur. Zentren der Romanik waren Frankreich, Italien (Lombardei) und Deutschland.
Heute sind meist noch kirchliche Bauwerke erhalten, deren Merkmale am klarsten in der Architektur hervortreten. Im Kuunsthandwerk schufen Goldschmiede und Bronzegießer künstlerisch hochentwickelte Geräte, Kirchentüren und Grabplatten. In der Malerei sind hauptsächlich Wand- und Buchmalereien enthalten. Tafelbilder sind eher selten.

Zeitgesschichte

Sieg Karl Martells bei Portiers über die Araber, Ende der muslimischen Expansion in Europa
Kaiserkrönung Karl des Großen (800)
1.Kreuzzug (1096-1099); Eroberung Jerusalems v.a. durch Ritter aus dem Frankenreich sowie dem Deutschen Reich

Italienzüge der deutschen Kaiser
Angliederung des Königreichs Burgund mit dem Deutschen Reich (1033)
Auseinandersetzung mit dem mächtigen Papsttum
Gang nach Canossa (1077)
Bürgerkrieg in Deutschland
Fürstenverschwörung gegen den Kaiser, der bei den Städten Hilfe findet -Heinrich V. (1106 - 1125), die Hohenstaufen (1137 - 1268); Heinrich der Löwe; Wendenkreuzzug
2.Kreuzzug (1147-1192) 3.Kreuzzug (1189-1192) Beginn der Kolonisation des deutschen Ostens (1258)
Doppelwahl (Staufer und Welfen) 1215 - 1250
Friedrich II. in Deutschland und Italien (1210-1250)

Romanische Kunst

Die erste große und zusammenhängende Stilperiode der mittelalterlichen Kunst.
Man unterscheidet vier Perioden:
Die vorromanische Kunst (Karolingische Kunst) von ca. 800 - 950. Die germanischen Stämme versuchen sich der Bauformen und Gedanken der orientalisierten Spätantike zu bemächtigen, sie im eigenen Sinne auszuformen. Übernahme des Steinbaus und Darstellung des Menschen in Bildnerei und Malerei.
Die Frühromanik (ottonische Kunst) von ca. 950 bis 1050. Beginn des Wölbungsbaus.
Die Hochromanik von ca. 1050 bis 1180. Volle Ausbildung des Kirchenbaues im Grund- und Aufriß, den Ersatz des Tonnengewölbes (Es besteht aus einem halben Kreiszylinder, der auch spitzbogig gebrochen sein kann.) durch das Kreuzgewölbe und die Durchbildung des gebundenen Systems.
Die Spätromanik von ca. 1180 mit Übergang in die Gotik. Starke Heranziehung der Bauplastik Die Kirche, die durch Kaiserschenkungen reich geworden, wird zum obersten und mehr oder minder alleinigen Auftraggeber der Kunst. Die Kunst ist in dieser Zeit allein Mittel zum Zweck der Verherrlichung Gottes und der Repräsentation kirchlicher Machtfülle.

Baukunst

Die Basilika, ein griechisches Wort, heißt "Königshalle ". Als Kaiser Konstantin 311 das Christentum anerkannte, konnte man für die Gottesdienste die heidnischen Tempel nicht gebrauchen. Sie waren nur für die Priester gebaut, das Volk stand draußen. So wurden die Königshallen zu Gotteshäuser (früher Versammlungsort für Gericht und Märkte).
Aufbau der frühen Basilika
Ein Mittelschiff welches links und rechts von einem Seitenschiff flankiert wird. Sie sind durch Bogengänge (Arkaden) ((lat. arcus=Bogen) Bogenstellung, d.h. eine Reihe von Bögen, die über Säulen oder Pfeilern ansetzen) mit dem Mittelschiff verbunden. Der überragende Teil des Mittelschiffes hat eine Reihe von rundbögigen Fenstern (Lichtgaden). Die Seitenschiffe haben eigene Fenster in regelmäßigen Abständen. Auf der westlichen Schmalseite sind die Portale und Türen angebracht. An der Ostseite schließt sich die Apsis an. Das Mittelschiff trägt ein Sattel-, die beiden Seitenschiffe haben Pultdächer.
Seit dem 4. Jh. wird zwischen Mittelschiff und Apsis ein Querschiff eingeschoben. Die Basilika mit Querschiff (Kreuzbasilika) wird die Hauptform der abendländischen Kirche. Zwischen Apsis ((griech. apsis = das Angefügte) halbrunde, vieleckige oder rechteckige Altarnische der christlichen Kirche.) und Querschiff wird ein quadratischer Raum gebaut. Er ist für die chorsingende Geistlichkeit bestimmt (Chor oder Chorbau). Schranken trennen den Chor vom Mittelschiff (das heißt: Altar von den Laien). Mittelschiff und Querschiff treffen sich in einem gemeinsamen Raum (Vierung: Wo in der mittelalterlichen Basilika Lang- und Querhaus einander kreuzen, entsteht die Vierung. Ist der Grundriss quadratisch, so spricht man vom Vierungsquadrat, das im gebundenen System Maßeinheit des ganzen Baus wird). Die mit Holzdecken versehenen Kirchen brannten häufig nieder. Im 11. Jahrh. ersetzte man sie durch Steingewölbe. Die Steinmassen des Gewölbes haben einen starken seitlichen Schub. Im Kreuzgewölbe verteilt er sich sehr gut. Die Last wird von vier Pfeilern über den Ecken eines Quadrates aufgefangen. So entsteht das "Gebundene" System der romanischen Kirche. Alle Maße werden von der Vierung abgeleitet. Jedes Joch des Mittelschiffes, des Querschiffes und das Chorquadrat weist die Größe der Vierung und eine eigene Wölbung auf. Die Seitenschiffe haben die halbe Breite des Mittelschiffes. Jedes ihrer quadratischen Joche hat daher ein Viertel der Grundrissgröße des Vierungsquadrates. Die Ecken der Joche des Mittelschiffes haben starken Druck auszuhalten. Die stützenden Pfeiler haben, im Wechsel, rechteckigen oder quadratischen Querschnitt. So entsteht der Stützenwechsel.
Unter dem Chorraum entsteht die Krypta ((griech. krypte = bedeckter Gang; Mehrzahl = Krypten) Im romanischen Kirchenbau ein halb unterirdischer Kultraum unter dem Chor oder östlich des Chors.). Sie war der Grabraum für Märtyrer usw. Später wurde sie zur Ruhestätte für Könige und Kaiser. Während die Krypta in die Erde geht steigen die Türme sehr hoch. Sie werden zum Wahrzeichen der Kirche. Die Türme stehen links und rechts vom Portal. Türme finden wir an den Chören und einen Turm über der Vierung. Die Fenster sind klein gehalten. Gründe können die nur schwierig herzustellenden Glasfenster sein. Vielfach wurden auch die Fenster mit Pergamenthäuten bespannt. Wir finden hauptsächlich Rundbogenfenster.

Große Basiliken und Bauten der Romanik

Sankt Michael zu Hildesheim (1010 - 1033)
Dom zu Speyer (1030 - 1041)
Castel del Monte/Apulien (um 1240)
Dom zu Limburg
Maria Laach (Benediktiner Abtei) (1093 bis Anfang 13. Jh.)




Gotik( 1250 - 1500 ) Gotik nennt man die Zeitepoche des 13.- 16. Jahrhunderts. In dieser Zeit lösten sich die Menschen vom düsteren Ernst des romanischen Zeitalters. Ihre Furcht vor Gott wandelt sich zur Ehrfurcht. Der Mensch der Gotik wird innerlich frei. Diese Freiheit äußert sich in einer höheren Wertschätzung der irdischen Dinge. Wunderwerke der Kunst entstehen. Der früher im Glauben ängstliche Mensch wird nun im Glauben selig. Die verantwortliche Mitarbeit des Einzelnen zum Wohle der Gemeinschaft verstärkt sich.
Zuerst war der Name "Gotik" als Begründung für den angeblichen Verfall der Künste durch die Goten gedacht.
Der Begriff Gotik stammt aus dem Italienischen "gotico" und bedeutet "barbarisch". Schriftsteller und Künstler der Renaissance hielten die Baukunst des hohen und späten Mittelalters für die barbarische Kunstübung der gotischen Eroberer, mit der sie die antike Architektur vernichtet hätten. In ihrem historischen Fehlurteiuol steckt ein wahrer Kern: in der nun so genannten Gotik erreicht die europäische Architektur den Gegenpol zur klassischen Antike; und es sind die germanischen Länder ^8k Die geringschätzige Bezeichnung stammt aus der italienischen Renaissance von dem Kunsthistoriker Ghiberti und Vasari. Erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrh. kommt es zu einer ehrenvollen Stilbezeichnung. Vor allem zeigt sich der gotische Stil in der Baukunst; vor allem in den Kathedralen Frankreichs.

Zeitgeschichte

der geistlichen Ritterorden
des Rittertums
der ritterlichen Dichtkunst (Troubadours)
Beginn der Hochscholastik (Scholastik (lat., "Schulwissenschaft") bei der die Wissenschaft und Philosophie verbreitet wurde, wie sie an Universitäten, Kloster- und Domschlen gelehrt wurde (Albert Magnus, 1280, Thomas von Aquino, 1274).
Gründung der Sorbonne (1255)
Beginnende Zentralisierung in Frankreich.
Beginn des 100-jährigen Krieges (1339 Ende 1453)

Gotische Baukunst

Die zweite große Stilepoche des Mittelalters - von ca. 1250 bis 1500- bezeichnet man als Gotik. Ihre Ursprünge finden wir bereits im 12. Jahrh. in Frankreich. Italien, England und Spanien besitzen ebenfalls zahlreiche gotische Baudenkmäler. Mit der Gotik verlässt die mittelalterliche Kunst endgültig die römische Überlieferung; sie erweist sich als eine von antiken Einflüssen befreite Neuschöpfung des Nordens. Der wesentliche Unterschied gotischer Bauwerke zur romanischen Bauform besteht in der Anwendung neuer Architekturteile: Kreuzrippengewölbe, Spitzbogen und Strebewerk. Sie ermöglichen eine starke Höhenentfaltung, neue Grundrissformen, die nicht mehr an das Quadrat gebunden sind, sowie eine weitgehende Auflösung der Mauer in Fenster, Tore und steinernes Schmuckwerk. Innen und außen weicht die massige Materie des romanischen Bauwerks einer Kunst der Schwerelosigkeit und Entkörperlichung des Raumes.

Bauten der Gotik

Notre-Dame (1163 - 1240)
Kathedrale von Reims (Beginn 1211) Kathedrale von Chartres (2.Hälfte 12.Jh. bis 1260)
Kölner Dom (Begiinn 1248) Straßburg Münster (13. Jh.)
Ulm Münster (1440 - 1474)
Marburg St.Elisabeth (1235 - 1283)
Freiburg Münster (1190 - 1513)
Marienburg (Ordensburg des Deutschritterordens und Hochmeisterscloß beide Beginn 1280)
Rathaus Münster (um 1335)
Rathaus Brüssel (um 1449)
Holstentor in Lübeck (1466 - 1478)
Sonderformen der Gotik sind die spätgotischen Hallenkirchen in Wien, München und Nürnberg sowie die Backsteingotik der Marienkirche in Lübeck

Plastik

Nur in der Baukunst -nicht in Plastik und Malerei- läßt sich der gotische Stil einigermaßen genau erfassen und abgrenzen. Noch stärker als in der Romanik erhält die gotische Steinplastik ihre Konzeption von der Architektur, und niemals haben diese beiden Kunstformen enger zusammengewirkt als im 13. und 14. Jh.. Der Reichtum der Skulpturen entfaltet sich besonders zu Portalen, Fassaden, Vorhallen, Chorschranken und Pfeilern. Die starke Bildniskraft und monumentale Formgebung spätromanischer Plastiken in Naumburg und Bamberg hat die Gotik nicht erreicht; ihre Formen werden beweglicher, geschwungener (S-Linie), eleganter und lösen sich allmählich stärker aus der Wandfläche. Diese Tendenz einer Verselbständigung der Figuren kommt der Holzplastik entgegen, die am Ende des Mittelalters in Tilmann Riemenschneider, Veit Stoß, Michael Packer u. a. einen künstlerischen Höhepunkt erreicht. Beliebte Motive werden das Vesperbild (Vesperbild (ital. Pieta). Plastische Gruppe Mariens mit dem toten Christus auf dem Schoße. Der Name bezieht sich auf das Geschehen am Abend (lat. vesper) nach Kreuzabnahme und auf die Vesper, den Abendgottesdienst wo dieses Geschehens gedacht wurde), Christus als Schmerzensmann, die Christus-Johannesgruppe und Maria mit dem Jesuskind. Flügelaltäre, Chorgestühl und Kanzel bieten sich der Holzschnitzkunst als bevorzugte Objekte an. Fast alle Holzfiguren sind bemalt und in Gold gefaßt.
Vesperbild (Pietà) aus dem Kloster Seeon im Chiemgau, Kalkstein, um 1400, München, Bayrisches Nationalmuseum

Malerei

: Dem gotischen Kirchenraum fehlen die großen Flächen und damit die Voraussetzung für Wandbilder. Neue Möglichkeiten ergeben sich jedoch in der malerischen Gestaltung der Fenster. So ersetzt die gotische Glasmalerei gleichsam die durch die Baukonstruktion verdrängte monumentale Wandmalerei. Besondere Sorgfalt widmen die Glasmaler den hohen Chorfenstern. Das Tafelbild ist eine Neuschöpfung der Gotik. Es entsteht in einer Verbindung zur Holzplastik mit der Entwicklung des Altars zum Flügelaltar.
Charakteristisch für die Malerei dieser Epoche wird die Abkehr von der linearen, flächenhaften Darstellung zur Erkenntnis der Raumtiefe, Körperlichkeit und realistischen Einzelbeobachtungen. Die Techniken des Holzschnittes, des Kupferstiches und der Ölmalerei werden angewandt. Zum bekanntesten Beispiel der Buchmalerei gehört die MANESSISCHE HANDSCHRIFT. In Köln, Prag, Nürnberg und anderen Städten entstehen Malschulen.

Maler der Gotik

Stephan Lochner
Konrad Witz
Petrus Christus
Miachael Pacher




Die Renaissance ( 15. u. 16. Jh.)

ZEITGESCHICHTE:

Das Zeitalter der Renaissance markiert das Ende des Mittelalters und den Beinn der Neuzeit; diese "Wiedergeburt" der Antike begann um 1350 in Italien und erreicht innerhalb weniger Jahrzehnte ganz Europa. Ihre Glanzzeit hatte die Renaissance im 16. Jh.; sie wurde zu Beginn des 17. Jh vom Barock abgelöst. Das Bewußtsein der Menschen der Renaissance war von einer Geisteshaltung geprägt, dren Zentrum im Gegensatz zur theokratischen Weltanschauung des Mittelalters nicht mehr Gott, sondern der Mensch war. Nicht Glaube und Demut, sondern Wissen und Selbstbewußtsein waren die Maximen der Neuzeit, die ihren idealtypischen Ausdruck im "Uomo universale", dem universell gebildeten Renaissance-Menschen, fanden, der sich gleichermaßen für Philosophie und Politik, Literatur und Kunst, Geschichte und Wissenschaft, Technik und Ökonomie interessierte. Das Genie Leonardo da Vincis bestand in der schöferischen Verkörperung diese Ideals.
Angeregt durch archäologische Entdeckungen in Italien sowie durch antike Schriften, die byzantinische Gelehrte nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken (1453) nach Italien mitbrachten, begann man sich für die Antike zu interessieren. Um antike Schriften entziffern und
diskutieren zu könnenm eignete man sich Kenntnisse in Latein und Griechisch an und manch einer verfasste selber Texte in Latein. Zum Zentrum dieser Bewegung entwickelte sich zu beginn des 15. Jh. schnell die reiche Handelsstadt Florenz, in der Adelige und wohlhabende Bürger - allen voran das Bankiersgeschlecht Medici - Künstler, Gelehrte und Handwerker förderten und damit die Voraussetzung zu reger geistiger und künstlerischer Produktion schufen.
Die Begeisterung für die Antike, die so wesentlich die Philosophie und Geistesgeschichte der Renaissance prägte, solllte auch einen unmittelbaren Einfluß auf die Architektur haben. So wandte man sich von den Bauformen des Mittelalters ab und ging sogar soi weit, gegonnene gotische Kathedralen nicht mehr zu vollenden. Ein neuer Stil setzte such durch, der seine Bau- und Dekorformen dem Vorbild der Antike anlehnte und dabei zunehmend auf die Ausgewogenheit der Proportionen und Harmonie aller Bauelemnte abzielte.
Auf dem Gebiet der Dekoration war es vor allem der Florentiner Lorenzo Ghiberti, der mit seinen Bronzertüren des Baptisteriums von San Giovanni in Florenz ein Meisterwerk schuf, das für die Renaissance wegweisend war. Die Blattranken dieser Reliefplastik lösen sich vom Schematismus des Mittelalters und werden in nur geringer Stilisierung wiedergegeben. Die Blumen- und Fruchtgewinde, die gelegenlich von einem kleinen Vogel durchdrungen werden, lassen jene neue Geisteshaltung erkennen, die von frischem und pulsierenden Leben erfüllt war und die gesamte Renaissancekunst prägen sollte.
Die reich verzierten Ranken mit ihren zarten Blättern und ihren schlanken Stängeln sind eines der wichtigsten Renaissance-Ornamente. Sie schmücken gleichermaßen Friese und Gesimse wie auch Pilaster und Säulenschäfte. Neben klassisch inspirierten Ornamenten sieht man zunehmend auch stilisierte Frucht- und Blumengewinde sowie religiöse und weltliche Enbleme, Allegorien und Grotesken. Ein weiteres typisches Renaissance-Ornament , das auch heute noch an nehezu allen erhaltenen Gebäuden dieser Zeit gefunden werden kann, ist die Rahmung. Zu dieser Gattung zählen Medaillonrahmen ebenso wie reich verzierte Kartuschen mit Beschlag und Rollwerk.

Baukunst in Deutschland

Fast hundert Jahre später als in Italien beginnt man sich in Deutschland mit dem neuen Stil auseinander zu setzen. Dabei werden von den einheimischen Baumeistern die Forderungen der italienischen Hochrenaissance (Symmetrie, Gleichmaß und Harmonie) wenig beachtet. Die schmückende Anwendung der antiken Formen steht im Vordergrund. Profanbauten herrschen wie in Frankreich vor. Schlösser, Palais, Rathäuser und Bürgerhäuser sind es, an denen der neue Stil hauptsächlich Anwendung findet. Der Kirchenbau tritt zurück. Zu den besten Leistungen des deutschen Schloßbaues gehört der "Ottoheinrichsbau" des Heidelberger Schlosses (der Planer ist unbekannt). 1764 wurde das Schloss vom Blitz getroffen und schwer beschädigt. Eine streng symmetrisch gegliederte Schloßanlage ist das Aschaffenburger Schloss
Die Baukunst ist gekennzeichnet durch eine starke Betonung der Horizontalen, eine klare Fassadengliederung, eine Vorliebe für den Kuppelbau und den römischen Halbbogen.

Bauten in Europa

Baptisterium in Florenz (1425 - 1452 von Lorenzo Ghiberti)
St. Peters Dom in Rom (Bramante, Michelangelo, Maderna, Bernini)
Das Schloss zu Heidelberg, das Aschaffenburger Schloss, Augsburger Rathaus (Elias Holl (1573-1646))

DIE PLASTIK

Die Plastik erstrebt den vollrunden Körper, die Harmonie der Teile und die Schönheit des Ganzen. Es wird die Portraitähnlichkeit angestrebt. Biblische Inhalte stehen neben antiken und gegenwärtigen (Reiterstandbilder, Portraitbüsten usw.) gleichberechtigt.

Künsteler

Lorenzo Ghiberti (1378 - 01.12.1455)
Donatello (um 1386 - 13.12.1466)
Michelangelo Buonarotti
Andrea del Verrocchio

Malerei

Die Malerei entdeckt den Tiefenraum im Bild, die mathematisch konstruierbare Perspektive, die Schönheit des nackten Menschen, die anatomische und stoffliche Richtigkeit und die natürliche Bewegung, doch nicht im Sinne eines Nur- realistischen, sondern einer zeitlos gültigen, idealen Schönheit. In Deutschland ragt besonders Albrecht Dürer hervor, der der italienischen Renaissance am nächsten kommt, weiter Matthias Grünewald mit seiner leidenschaftlich expressiven Malerei. Einen ersten Höhepunkt erreicht die Graphik in Deutschland im Holzschnitt (Schwarz- und Reißlinienschnitt), im Kupferstich und in der Radierung. Diese Techniken ermöglichen die Vervielfältigung und dienten zusammen mit dem Buchdruck der Bildung und den politisch- religiösen Zielen der Zeit.

KÜNSTLER

Giotto di Bondone (Italien)
van Eyck (Holland)
Uccello Paolo
Giovanni Domenici
Sandroh Botticelli
Leonardo da Vinci
Raffael, Michelangelo
Albrecht Dürer
Matthias Grünewald
Lucas Cranach
Hans Hohlbein d. J.

Der Barock ( 1650 - 1750 )

Zeitgeschichte

Der Barock ist eine wahrhaft europäische Kunstrichtung. Das Zeitalter von 1650 bis 1750 ist die Zeit des Absolutismus (Alleinherrschaft, unumschränkte Herrschergewalt). Der Geist der absoluten, selbstherrlichen Fürstenmacht findet seinen Ausdruck im barocken Stil. Ludwig XIV (1638-1715) " Ich bin der Staat".

ARCHITEKTUR

Die barocke Architektur ist gekennzeichnet durch eine schwungvolle, bewegte Linienführung. Konkave (gewölbt, hohlrund) und konvexe (gewölbt, nach außen gewölbt, hochrund) Linien im Grundriss geben den Palästen und Kirchen, den Klöstern und Schlössern etwas festliches und machtvolles. Während die Fassaden verhältnismäßig einfach und klar horizontal gegliedert sind, werden die Treppenaufgänge und Innenräume schwelgerisch ausgestaltet (Baumaterial: Sandstein und Marmor). Architektur und Gartenanlage bilden eine Einheit. Nach dem Vorbild von Versailles entstehen in Deutschland viele prunkvolle Residenzen. Die Fürsten werden die Mäzene (Gönner, Förderer der Künste) der Künstler.

Bauten in Europa

Andreas Schlüter
Berliner Schloss, Zeughaus, Zeughausfigurenschmuck, Reiterstandbild des Großen Kurfürsten

D. Pöppelmann
Dresdner Schloss und Zwinger

Balthasar Neumann
Würzburger Residenz

Lukas v. Hildebrand
Belvedere und viele Wiener Palais

Fischer v. Erlach
Stadtpalais des Prinzen Eugen, Wiener Hofbibliothek, Kirchenbauten in Salzburg

Plastik

Die Barockplastik verliert die Geschlossenheit der Renaissance, sie drängt formsprengend in den Raum hinein. Es entstehen prunkvolle Altäre, Kanzeln, schwebende Engel und im profanen (unheilig, weltlich) Bereich Fürstenstandbilder, Fürstenportraits und eine Fülle von Dekorationsplastiken in Schlössern und Gärten (Bernini, Schlüter, Permoser).

Malerei

Die Barockmalerei steht in enger Verbindung mit der Architektur der Zeit, es entstehen großartige Wand- Decken- und Tafelbilder (Malerei auf Holztafeln, später auf Leinwand). Die Portraitmalerei erlebt eine hohe Blüte. Schwellende, üppige Körperformen sind typisch. Eine Sonderstellung nimmt die holländische Malerei im "goldenen 17. Jahrhundert" ein, die weniger höfisch als vielmehr bürgerlich-volkstümlich, oft auch derb wirkt. Rembrandts Werk allerdings ist stark verinnerlicht und vergeistigt. Die Bildgattungen des Stilllebens, des Genrebildes (Genremalerei; Sittenmalerei, die typische Zustände oder Begebenheiten aus dem bäuerlichen, bürgerlichen oder höfischen Alltag darstellt. Seit etwa 1500.) und des Architekturbildes (Eine bildliche Darstellung mit Architekturen als Hauptthema ( einzelne Bauten oder Stadtansichten )) werden in Holland zur höchsten Meisterschaft geführt.

Barockmaler

Peter Paul Rubens ( 1577-1640 )
Rembrandt van Rijn ( 1606 -1669 )
Frans Hals 1580 -1666 )
Vermeer van Delft ( 1632-1675 )
Michelangelo Caravaggio ( 1570 -1610 )
Jacopo Tintoretto/Robusti ( 1518 -1594)
Antonio Canale Canaletto ( 1697-1768 )
Diego Rodriguez de Silva y Velazquez ( 1599 -1660 )
Claude Lorrain ( 1600 -1682 )
Nicolass Poussin ( 1593 -1665 )
Franz Anton Maulpertsch ( 1724 -1796 )
Ignaz Günther ( 1725 -1775 )




Klassizismus (1770 - 1830)

Die Stilepoche des Klassizismus, in der man sich auf die klassische Periode der griechischen Antike besann, setzte etwa Mitte des 18.Jh. ein und wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jh. vom Historismus abgelöst. In geisteswissenschaftlichen Zusammenhängen spricht mab spätestens ab der Mitte des 18. Jh. von der Epoche der Aufklärung, in welcher die Vernunft und der kritische Verstand des Menschen als Voraussetzung und zugleich maßgeblicheAutorität für ethisches, politisches und soziales Handeln angesehen wurde.

Zeitgeschichte

Der Glaube an die menschliche Vernunft, die naturbedingt das Gute und Richtige bewirken werde, hatte nicht nur gesellschaftpolitische Veränderungen zur Folge, sondern leitete auch schwerwiegende poltische Umstürze ein. Die Kirche verlor mit der seit dem Ende des 18. Jh fortschreitenden Säkularisierung (der Verweltlichung der Gesellschaft und der sichn ihr anschließenden Enteignung der Kirch zusehends an Bedeutung. Die Macht der Monarchen und Feudalherren wurde in Frage gestellt. Das Gedankengut der Aufklärung und die fortschreitende Unzufriedenheit mit den herrschenden sozialen Verhältnissen lösten 1789 den Sturm auf die Bastille die Französische Revolution aus, deren Grundsätze Freiheit, bGleichheit und Brüderlichkeit hießen. Wesentliche Ergebnisse der Revolution waren die Aufhebung der Feudalrechte, die Formulierung der Menschen- und Bürgerechte sowie die Ausrufung einer demokratischen Verfassung (1791). Diese Entwicklung prägte ganz Europa. Sie hatte sich in ähnlicher Weise auch in den Vereinigten Staatwen vollzogen, wo bereits 1787 eine bundesstattliche, demokratische Verfassung ausgerufen wurde.

Baukunst

Die gesellschaftpolitischen Veränderungen hatten natürlich auch Einfluß auf Kunst und Architektur. Dem Bildungideal entsprechend entstanden zahlreiche Bibliotheken und Museen, Universitäten und Internate, Opern- und Thaeterhäuser, aber auch Rats- und Parlamentsgebäude, Banken und Hotels sowie großzügig angelegte Wohnanlagen und herrliche Parks. Chararkteristisch für die Epoche des Klassizismus ist auch die Planung weitläufiger Straßenzüge, die das Bild von Städten wie Edinburgh, Stockholm, München und Berlin prägten.
Die Architektur des Klassizismus war klar und nüchtern; die überschwendliche Formensprache desBarock und Rokoko , die noch das 17. und große Teile des 18. Jh. bestimmte, hatte sich überlebt. Angesichts der Tatsache daß die Aufklärung die geistigen Ansätze der Renaissance des 15. und 16. Jahrhunderts fortführte, war die Wiederaufnahme antiker Bauformen, die man als Inbegriff von Schönheit und Harmonie ansah, nur folgerichtig.
Eines der charakteristischsten Merkmale der klassizistischen Architektur ist die Tempelstirnwand mit Säulenportikus und Dreiecksgiebel. Der blockhafte Baukörper wurde im Gegensatz zur antiken Architektur durch Pilaster und Gesimse gegliedert. Die Säulenordnung, die vom antiken Tempel übernommen wurde, bei dem sie oft rein dekorativ angelegt waren, sind jetzt konstruktiv bedingt und tragen das Gebälk. Als sparsamer Dekor dieser nüchternen und klar gegliederten Architektur dienen neben Girlanden, Urnen und Rosetten die klassischen Palmetten und Mäander sowie Perl- und Eierstäbe.

Bauten des Klassizismus

Panthéon, ehemals Ste-Geneviève (1757-1790 von Jacques-Germain Soufflot))
Schauspielhaus Berlin (1818-1821 von Karl Friedrich Schinkel British Museum (1823-1846 von Sir Robert Smirke)