Ziegel

Stuck Nagel Berlin
Der Ziegel ist ein gebrannter Mauerstein (Ziegelstein, Backstein) aus Lehm, Ton oder tonigen Massen. In der Ziegelei werden die Steine nach Aufbereitung der Grundstoffe, Magern mit Sand, Asche u.ä. von Hand (historisch) oder in Strangpressen naß geformt, getrocknet und in Ring-, Tunnel-, oder Dauerbrandöfen mit fortschreitendem Feuer bei etwa 1100 ºC gebrannt.
Die DIN-Norm DIN 105 regelt Bezeichnung, Festigkeitsklasse, Rohdichte, Format und Lochung von Ziegeln. Die DIN EN 771 ist ihr Nachfolgedokument.

Zur Zeit sind neben der DIN EN 771 noch folgende Normteile der DIN 105 gültig:
DIN 105 Teil 5: Mauerziegel; Leichtlanglochziegel und Leichtlangloch-Ziegelplatten (Ausgabe 5.1984)
DIN V 105 Teil 6: Mauerziegel - Planziegel (Vornorm, Ausgabe 6.2002)
DIN V 105-100: Mauerziegel mit besonderen Eigenschaften (Vornorm, Ausgabe 10.2005)

Man unterscheidet u.a. in:
Vormauerziegel VMz
Vollziegel Mz
Vollklinker KMz
Hochlochziegel Hlz
Langlochziegel
Porenziegel mit blasiger Struktur
wärmedämmende Ziegel
Formatziegel
Verblender
gebogene Schornsteinziegel
Dekenziegel
Dachziegel


DIN EN 105 Steinart Kurzzeichen Festigskeitsklasse
(n/mm²)
Rohdichte (kg/dm³) Vorzugsformate
Teil 1 Vollziegel Mz 4-28 1,2-2,2 DF, NF, 2 DF
Vormauerziegel VMz
Vollklinker KMz
Hochlochziegel HLz 1,2-1,8 NF-20 DF
Teil 2 Vormauerhochlochziegel VHLz 6-28 1,2-1,8 DF, NF, 2 DF, 3 DF
Hochlochklinker KHLz 28 1,9 DF
Leichthochlochziegel HLz 4,2-20 0,6-1,0 NF-20 DF
Leichthochlochziegel W HLzW
Teil 3 Vollziegel Mz 36-60 1,2-2,2 DF, NF, 2 DF, 3 DF
Vormauerziegel VMz
Vollklinker KMz
Hochlochziegel HLz
Teil 4 Vollklinker KK 60 1,4-2,2 DF, NF, 2 DF
Keramik- Hochlochklinker KHK
Leichtlanglochziegel LLz NF - 20 DF
Teil 5 Leichtlangloch-
Ziegelplatte
LLp 2-12 0,5-1,0 40s - 115s


Mauerziegel werden unter Bezug auf die DIN 105 in folgender Reihenfolge bezeichnet: Ziegelart/ Druckfestigkeit/ Ziegelrohdichte/ Abmessungen (in mm oder durch Vielfache des Dünnformates mit Formatkurzzeichen DF).
Beispiel: DIN 105 HlzB 12 - 0,8 - 5DF


Ziegel werden mit Kalk-, Kalkzement- oder Zementmörtel (entsprechend der geforderten Duckfestigkeit) im Verband vermauert.
Ziegel wurden schon im Altertum für Goßbauten, auch im Gewölbebau, verwendet und später von den germanischen Völkern übernommen. Der Ziegelbau erreichte seine höchste Vollendung in der norddeutschen und ostdeutschen Backsteingotik.




Aktuelle Ziegelformate (Mauerziegel)

Formatbezeichnung Länge Breite Höhe
1 DF (Dünnformat) 240 115 52
NF (Normalformat) 240 115 71
2 DF 240 115 113
3 DF 240 175 113
4 DF 240 240 113
5 DF 240 300 113
6 DF 240 365 113
8 DF 240 240 238
10 DF 240 300 238
12 DF 240 365 238
15 DF 365 300 238
18 DF 365 365 238
16 DF 490 240 238
20 DF 490 300 238




Historische Ziegelformate (Mauerziegel):

Formatbezeichnung Länge Breite Höhe
altes (deutsches) Reichsformat 250 120 65
Reichsformat (RF) -Deutschland 240 115 63
Klosterformate 280-300 140-150 90-100
Oldenburger Format 220 105 52
Elbformat 230 110 552
Hamburger Format 220 105 65
Friesenziegel 206 100 51
Waalformat 215 105 54
Vechtformat 215 105 42
Altbayrisches Format (1) 295 145 65
Altbayrisches Format (2) 320 155 70
Altbayrisches Format (3) 340 165 70
Alrbayrisches Format (4) 320 120 50
Standardformat der Donaumonarchie 290 140 65




Geschichte des Ziegels

Die Geschichte des Ziegels ist lang, vielleicht ist er so alt wie die Menschheit selbst. Fest steht jedoch, dass der Ziegel bereits am Beginn der uns bekannten Kulturen verwendet wurde.
In Ägypten wurde Nilschlamm mit Kamelmist vermischt, in die gewünschte Form gebracht und in der Sonne getrocknet. In Mesopotamien wurden bereits 4.000 Jahre v. Chr. Ziegel gebrannt. 1.000 Jahre später erreichte der Ziegelbau in dieser Region seinen Höhepunkt. In diese Zeit fallen auch die ersten monumentalen Tempelbauten, wie zum Beispiel jener in Uruk. Um 2.000 v. Chr. findet der Urbau des Turmes zu Babylon statt, der mehrfach zerstört, aber ebenso oft wieder aufgebaut wurde. Noch heute stehen in der Umgebung Häuser, bei denen die Jahrtausende alten Ziegel des Turmes zu Babel verwendet wurden.
Ausgrabungen in Babylon zeigen, dass allein der östlich des Euphrat gelegene Stadteil eine Ausdehnung von vier Millionen Quadratmetern hatte. Geschützt wurde dieser Stadtteil von Ziegelmauern, deren Kronen sogar von Viergespannen befahren werden konnten. Schon zu Beginn der Hochkulturen wurden Schmuckwände aus Ziegel errichtet. Die hervorstechendsten Beispiele sind wohl die Prozessionsstraße vom Ischtar-Tor bis hin zur Stadt Babili, die König Nebukadnezar errichten ließ, sowie auch der vom Perserkönig Darius I. um 500 v. Chr. erbaute Palast in Susa.
Die Kunst der Ziegelherstellung wurde im gesamten Abendland von den Römern verbreitet. Wo immer ihre Feldzüge hinführten - den Ziegel brachten sie mit. Im heute deutschsprachigen Raum legten Sie beispielsweise am Rhein zahlreiche große Ziegelproduktionen an. Die "Deutschen" schauten sich schnell deren Technik ab und verbesserten diese. So stellte man hier bereits die Formlinge in Holzkästen her, während in Italien noch aus größeren Lehmbatzen der Formling mit dem Messer geschnitten wurde.
Ab dem zwölften Jahrhundert sind die Lombardei, Frankreich und Deutschland die Zentren des Ziegelbaus. Von der Romanik über die Gotik bis zur Renaissance - der Ziegel hatte immer einen sehr hohen Stellenwert.
Die Engländer entwickelten die maschinelle Ziegelherstellung. Die bahnbrechende Weiterentwicklung der Ziegelherstellung wurde jedoch in Deutschland gemacht: Die Strangpresse des Berliner Fabrikanten Schlickeysen (1854) und der 1858 als preußisches und österreichisches Patent gemeldete Ringofen des Baumeister Friedrich Hoffmann.
Im Laufe der Zeit wurde die traditionelle Kunst des Ziegelbrennens immer weiter verfeinert und so aus einem uralten Baumaterial ein moderner Werkstoff gemacht.

Siehe hierzu auch Informationen zum Thema:
Geschichte der Architektur
Geschichte der Denkmalpflege
Anmerkungen zum Denkmalschtzgesetz von Berlin
Referenzliste eingetragener denkmalgeschützter Gebäude